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    Archived pages: 102 . Archive date: 2014-01.

  • Title: Liskamm - Bergtouren von Brigger Eugen
    Descriptive info: Castor und Liskamm.. Überschreitung vom Bahnhof Brig aus (10.. Die folgenden Bilder sind von meiner Kollegin geschossen und von mir ein wenig nachbearbeitet worden.. Vielen Dank an Birgit Lorenz.. Sie alleine hat das CR.. Kurz unterhalb des Liskamms Westgipfels zurück auf die Aufstiegsspur geschaut.. Ganz rechts ist das Breithornplateau.. Dem vorgelagert (mit der Firnflanke rechts) der Pollux.. Dann in der Mitte der breite ist der Castor, der von uns überschritten wurde.. Und dann sieht man schön den feinen Firngrat, der hier hochführt.. Hier blickt man vom Liskamm Westgipfel auf den Ostgipfel.. Der Weiterweg führt über Firn und Fels sehr ausgesetzt und auf schmalem Weg über zum Teil gefährliche Wächten.. Im Hintergrund von links: Zumsteinspitze, Signalkuppe mit der bekannten Margherita-Hütte, dann die Parrotspitze.. Links Nordend und dann Dufour und die anderen haben wir schon gesehen.. Nochmals von links Nordend, Dufourspitze, Zumsteinspitze und Signalkuppe.. Vorne der Grenzgletscher, über den wir abgestiegen sind.. Blick vom Liskamm Ostgipfel auf die Spaghettigipfel - rechts Vincenpiramid dann Corno Nero und Ludwigshöhe.. Von der Signalkuppe bis zum Corno Nero.. Wir rasten im Lisjoch und steigen dann zum Piodejoch auf.. Blick auf Dufourspitze vom Lisjoch aus.. Links der Liskamm und geradeaus das Matterhorn.. Vorne Menschenspuren.. Wie vorher, nur dass man jetzt rechts auch noch das Weisshorn sieht.. Oben links das Lisjoch.. Blick vom Grenzgletscher hinauf zur Dufourspitze.. Nochmals der Castor - vorne links das Felikhorn, ein missratener Viertausender.. Wir liessen ihn links liegen und haben die Ebene der Spur folgend traversiert.. Beschrieb.. Schon Minuten nach der Rückkehr von meiner Liskamm-Tour habe ich ein wenig beim Glätten und Zusammenlegen von Socken geholfen.. Ist das aber eine Geduldsprobe! Je mehr Socken man hat, desto mehr Kombinationsmöglichkeiten gibt es.. Gerechte Strafe für den reichen Viel-Socken-Besitzer! Man müsste da ein wenig vorausplanen und die Socken viel geordneter in die Waschtrommel legen! Ich meine, beim Touren muss doch auch praktisch jeder Schritt vorausgedacht werden.. Leider ist dies auch bei unserer Liskamm-Tour nicht bis in letzte Detail geschehen.. Was bittere Folgen hatte.. Wir waren nach vollendeter Tour nämlich der festen Meinung, wir hätten vier Viertausender bestiegen, unter anderem eben auch das 4087 Meter hohe Felikhorn.. Ein Blick auf die Karte zeigt mir jetzt, dass wir diesen Gipfel um ein paar Meter verpasst hatten.. Unverständlich! - meinst du.. Ist es aber nicht, denn dort, wo sich das Felikhorn befindet, gibt es in der Natur nämlich gar kein Horn sondern nur eine Art langweilige Bodenwelle.. Und somit war für mich klar, dass der fragliche Gipfel weiter oben liegen müsse, nämlich dort beim Punkt 4207.. Dieser namenlose Punkt bildet eine ganz schöne Erhebung im SW-Grat des Liskamms, und wenn ich etwas zu sagen gehabt hätte, hätte ich bestimmt ihm den Namen „Felikhorn“ gegeben und nicht der langweiligen Schneekuppe.. Ärgerlich, wir haben unseren vierten hohen Berg an diesem Tag verpasst! Hätte ich das Felikhorn - müsste es nicht „Felixhorn“ heissen? - bestiegen, hätte ich zudem ein schönes Jubiläum feiern können.. Nichts gewesen, und so sitzt die Enttäuschung halt tief in den Knochen.. Auf der anderen Seite bin ich aber froh, dieses Horn nicht bestiegen zu haben, denn es ist weder Katz noch Maus - das heisst: es ist mehr als viertausend Meter hoch, zählt aber nicht zu der erlauchten Schar der offiziellen Viertausender, weil es ihm scheinbar an der nötigen Schartentiefe, Dominanz oder ich weiss nicht an was fehlt.. Das Felikhorn hätte somit in meinen detaillierten Bergstatistiken gar keinen Platz gefunden.. Somit ist  ...   einem Metallrost, im Schutzraum der bekannten Hütte auf 2883 Meter über Meer endete.. Zu wissen, dass der Höhepunkt jeder langen Tour das Sich-aus-Strecken im eigenen Bett ist - welche unbeschreibliche Wonne jeweils! Es war aber gar nicht selbstverständlich, dass wir in dieser stets ausgebuchten Hütte überhaupt noch eine Bleibe fanden.. Und somit waren wir schlussendlich sehr dankbar.. Auch dafür, dass uns schon kurz später ein viergängiges Nachtessen serviert wurde.. Und nicht mehr nach Rotenboden laufen zu müssen war auch sehr wohltuend.. Gutes Nachtessen, Übernachtung, Frühstück, Marschtee und Benutzung der Toiletten, alles inbegriffen, kostete übrigens siebzig Franken (für Alpenklubmitglieder) - geht noch.. Die Tour selber ist bald erzählt.. Meine beigelegte „Marschtabelle“ zeigt ungefähr, wo es durchging.. Leider waren alle Hütten in der Umgebung, die für eine „extended“ Tour in Frage gekommen wären, an diesem sonnigen Wochenende besetzt, so dass schlussendlich die beschriebene Variante gewählt wurde.. Der Wetterbericht war einfach zu schön gewesen.. Wobei dann jedoch ab Castor heftige Sturmböen herrschten, so dass ganz ernsthaft an einen Abbruch der Tour zu denken war.. Die Liskamm Überschreitung ist nicht ganz ohne.. Sie darf nur bei ausgezeichneten Verhältnissen unternommen werden.. Typisch sind die Ausgesetztheit der Spur und die sehr heimtückischen Wächten.. Nicht umsonst war der Berg damals als „Menschenfresser“ bekannt.. Stundenlang geht man auf einer schmalen Spur auf dem Grat, und Stolpern und Ausrutschen ist streng verboten.. Ein paarmal sind auch leichte Felsen zu überwinden, und an einem Ort haben wir kurz abgeseilt.. Jetzt aber zu den Bildern - eine Auswahl (ich hätte noch viele mehr).. Für uns war es eine schöne, unvergessliche Tour.. Zur Erinnerung: die Tour aufs Matterhorn von Brig aus hat fast zwanzig Leistungskilometer weniger.. Zudem sind beide Touren in etwa gleich schwer (ZS).. Das bin ich, im Sattel vor dem Liskamm Ostgipfel.. Bilder.. Zuest erschrak ich, als ich dieses Bild sah, dann beruhigte mich meine Tourenbegleiterin und meinte, dass ich in echt auch nicht viel schlimmer dreinschaue.. Die Brille widerspiegelt wahrscheinlich die Farbe des Rucksacks meiner Kollegin.. Auf alle Fälle passt die Farbe sehr gut zu meinem Hemd.. Sei froh, dass sich in der Brille nicht Birgits Hund Hugo widerspiegelt, sonst würdest du jetzt wirklich Angst haben.. Wir machten dann noch ein Bild ohne Brille.. Meine Kollegin, die sonst eine excellente Fotografin ist, hatte etwas Pech.. Just in dem Moment, als sie den Auslöser betätigte, flog einer dieser Urvögel, die auf der Erde zur Jahrmillionen zurückliegenden Kreidezeit zu beobachten waren, die es aber heute nicht mehr gibt, es sei denn in sehr speziellen Gegenden der Walliser Alpen, also just beim Auslösen flog dieser Vogel zwischen meinem Gesicht und ihrer Linse hindurch.. Sie, die Fotografin, meinte noch, ich könne ja die Falten dann mit Photoshop leicht entfernen.. Ich entgegnete, dass dies in unserem Alter wenig mehr bringe.. Und sowieso publiziere ich das Bild hier nur wegen des Liskamm Ostgipfels, den man im Hintergrund sehr gut sieht.. Man kann leicht spotten - zu diesem Zeitpunkt der Tour war ich schon mehr als vierundzwanzig Stunden unterwegs gewesen.. Schau du doch unter solchen Umständen mal freundlich aus der Wäsche! Zudem ist das Bild mit einer dieser billigen Budget Kameras aufgenommen worden - ich meine mit einer Kamera, die man abends vor Ladenschluss im Coop mit einer 50-prozentigen Preisreduktion erhält, weil sie am folgenden Tag nicht mehr frisch und brauchbar wäre.. Der langen Rede kurzer Sinn: Birgit sieht wieder mal sehr glücklich und blendend aus.. Sie ist auf ihren geliebten Bergen..

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  • Title: Seematte - Bergtouren von Brigger Eugen
    Descriptive info: Seematte (2279).. Vom Bahnhof Brig zu Fuss auf die Seematte (30.. Stalden mit der Dekanatskirche "St.. Michael".. Ich habe einen Facebook Freund, der sieht von seinem Schlafzimmer aus genau dies.. Sah es von klein auf und wurde Bergführer.. Links das Brunegghorn, rechts Bieshorn.. Die spannende Bahn nach Reckholder (1565).. Seematte - Ende der Tour.. Hinten Nordend und Dufourspitze.. Tiefblick nach St.. Niklaus.. Links Hobärghorn, rechts Dom.. Hier sieht man ganz links jetzt auch noch das Dirruhorn.. Dom und Täschhorn, wie immer von links.. Castor und Pollux.. Tourenbeschrieb.. Voller Erwartungen war man in die neue Tourensaison gestartet, und dann …? Und dann zerrannen die Träume wie trockener Sand, in der Hand.. Oh, welch ein Glück! - das reimst sich ja perfekt.. Erst wollte der Schnee nicht weichen, dann schmerzte mich lange die kleine Zehe, und schlussendlich musste auch noch meine Mutter ein Ferienbett im Altersheim „St.. Antonius“ in Saas-Grund beziehen.. Neunzehnmal habe ich sie im Sommer besucht - und darauf bin ich stolzer als auf manchen (nicht) bestiegenen Gipfel.. Jetzt muss ich, Federer nacheifernd, einen ähnlich erbärmlichen Abgang von meinem gehätschelten Gipfelprojekt erleben wie er von seinem geliebten Sport.. Stell dir vor: Meine letzte „Megatour“ führte mich noch gerade auf die „Seematte“! Freundlicherweise bewunderst oder bedauerst du mich jetzt deswegen, obwohl du bestimmt nicht weisst, wo sich dieser Ort befindet.. Mein Ziel war ja auch nicht gerade die Seematte gewesen, sondern das etwas höher liegende Schwarzhorn.. Aus noch im Detail zu diskutierenden Gründen habe ich das Ziel um 858 Höhenmeter verfehlt.. Das mag wieder viel oder wenig sein.. Für André Bucher, unseren ehemaligen 800-Meter-Läufer, war es jeweils ein Katzensprung.. Wobei ich mich ab Tourbeginn auf dem Bahnhof in Brig selbst-bedauerte - „Mein Gott, jetzt besteige ich nur noch Schwarzhörner, wie fade und geschmacklos - solche Hörner gibt es doch wie Sand am Meer - und ich habe schon einige bestiegen, und bin davon nicht reich und schön geworden!“ - Schwarz-, Rot- und Weisshörner gibt es bei uns tatsächlich genug.. So wie es früher in der Ortschaft Hohtenn den Männernamen Johann und Josef, oder Johann-Josef, x-fach gab.. Meine Mutter meinte zu diesem Thema, dass man früher sagte: „In jeder Familie gibt es eine Maria, einen Josef und‚ as Tschäggi‘“ - Jede Familie besass damals eine gescheckte Kuh.. Und dann begann sie, alle Marias aufzuzählen, die im Sechshundert-Seelen-Dorf Staldenried noch leben.. Sie kam auf achtzehn oder mehr.. Jetzt da ich die Seematte und das Schwarzhorn zusammen erwähnt habe, weisst du bestimmt, wo ich unterwegs war.. Genau - im Nikolaital, auf der linken Seite, unterhalb des Brunegghorns - oder in der Nähe der Topalihütte.. Von Brig nach Visp der Rhone entlang war vielleicht etwas langweilig gewesen.. Die restlichen Wegstrecken können jedem Wanderer empfohlen werden..  ...   war ich auf all den durchwanderten Strecken in den letzten fünf Jahren noch nie so langsam unterwegs gewesen.. Erst Daheim erlebte ich einmalig Schönes: ich konnte mich frisch geduscht in mein wunderbares Bett werfen.. Bevor ich aber die Tour aufgab und mir allerlei Varianten überlegt hatte, versuchte ich mich zu trösten und mit allerlei Gedankenspielen abzulenken.. Ergriff einen Ast am Wegrand und stützte mich im Aufstieg wie ein übergewichtiger Zwerg auf denselben.. Doch wie dick ist der ideale Ast? - Nimm einen dünnen, dann trägst du leicht, und er bricht, wenn du dich darauf stützest.. Also nahm ich einen sehr dicken, rutsche aus, hielt mich daran fest und war gerettet.. Wurde des schweren Astes wegen aber so müde, dass ich kurz später meinen vorletzten Schweisstropfen vergoss und für längere Zeit in die Knie sank.. Also musste ich wieder gut fünfzig Meter absteigen, um mir einen besseren Stock zu suchen.. Natürlich hätte es auch dort, wo ich hinsank Äste gegeben, doch keiner wollte mir so recht gefallen.. Wer eitel ist, wird psychisch müde, wenn er sich ständig vorstellt, dass müsse ja scheusslich aussehen: er und ein derart doofer Ast.. Und schon hatte ich wieder ein Optimierungsproblem: je weiter du absteigst, umso schöner wird der Ast sein, den du findest, umso müder wirst du, aber umso psychisch wohler fühlst du dich.. Kämpfst du auch oft mit solchen Problemen - zum Beispiel: viel Schokolade, grosser Genuss, grosse Magenprobleme? - lange schlafen, gut erholen, schlechtes Gewissen.. Was aber interessant ist, und von den Psychologen und anderen Wissenschaftlern kaum zu erklären ist, ist das der „normale“ Mensch, spontan einen mehr oder weniger idealen Ast findet - es sei denn du lebst in der Stadt und bist noch nie mit Bäumen in Kontakt gekommen.. Du meinst das sei ein Witz? - nein, ist es nicht.. Zeichne einen Kreis und skizziere die Tangente daran.. In der Regel wird das fast genau sein.. Aber niemand kann erklären, wieso der Mensch das kann.. Um ein ganz exakte Konstruktion zu erhalten, muss ein Computer-Geometrie-Programm schon einiges leisten können.. Wenn es mühsam und langweilig wird, nehme ich oft einen sehr dünnen Lärchen-Zweig in die Hand und entferne im Gehen mit dem Daumen bei jedem zehnten Schritt einen der kleinen Fortsätze.. Tat es und dachte, dass man beim Rosenkranz-Beten Ähnliches tut.. Das Knospenabstreifen macht dich nicht leichter oder schneller, aber es lenkt ab, und dadurch bist du lockerer, und du fühlst dich leichter und bist schneller.. Und jetzt hör, was der Priester am letzten Sonntag im Altersheim gepredigt hat! Albert Schweizer hat er zitiert: „Gebete ändern die Welt nicht.. Aber Gebete ändern die Menschen.. Und die Menschen verändern die Welt.. “ Auf diese Weisheit habe ich schon lange gewartet.. Zahlen zum Vergessen..

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  • Title: Mont Bonvin - Bergtouren von Brigger Eugen
    Descriptive info: Mont Bonvin (2995) und vier andere.. Vom Bahnhof Brig zu Fuss über fünf Gipfel ins Simmental (25.. Wasserfall an der Raspille.. L'Aprîli.. Petit Mont Bonvin (2412).. Waschechte Kühe mit Blick auf Montana.. Gebiet beim Petit Mont Bonvin.. Weiter weg der Trubelstock.. Am Wegrand.. Der Petit Mont Bonvin von der gleichnamigen Seilbahnstation aus.. Der richtige Mont Bonvin.. Am Mont Bonvin.. Unten der Rotten bei Salgesch.. Blick zum Wildstrubel.. Gipfel Mont Bonvin.. Wildhorn im Hintergrund.. Blick vom Mont Bonvin zum Tothore im Vordergrund, hinten links das Wisshore, rechts das Gletscherhore.. Schnellwanderer auf dem Mont Bonvin.. Mont Bonvin vom NW aus.. Fels am Tothore.. Mont Bonvin.. Auf dem Tothore (2935).. Wildstrubel.. Point de Vatseret (2812).. Verhauer am Wisshore (2948) - plötzlich stand ich auf diesem Koloss, und es ging nicht weiter.. Rohrbachstein (2950).. Wildstrubelhütte (2789).. Rawilseeleni.. Schmetterling und Landebahn.. Mon bon vin! - War das wieder eine schöne Tour.. Schnurstraks von Brig das Wallis hinunter bis Leuk, und zwar schon um zehn Uhr abends - nichts Besonderes! Der schöne Mond nimmt leider schon wieder ab - Grund genug, etwas traurig zu sein.. Er leuchtet mir streng von Süden her ins linke Auge, und dies wirklich auf praktisch der ganzen Strecke.. Was ich am Städtchen Leuk so schätze, ist der coole Dorfbrunnen, an dem ich mich jeweils ausgiebig labe.. Nachdem ich ihn praktisch leer getrunken habe, geht die Reise über die hohe Brücke weiter nach Varen.. Varen ist ein weiteres Walliser Weindorf.. Der Gang über die Dalabrücke in tiefer Nacht ist immer irgendwie besonders.. Genau in der Mitte muss ich jeweils anhalten und übers hohe Geländer ein paar Sekunden in die gähnende Tiefe blicken.. In Varen hört man die Glocken schon um fünf Uhr morgens laut vom Kirchenturm bimmeln.. Zu dieser Zeit liegt das schön gelegene Dorf aber schon weit hinter mir.. Und ich befinde mich auf der Varner Suone - la Neuve.. Ein durchaus empfehlenswerter Wanderweg diesem grossen Bauwerk entlang.. Letztes Mal überlegte ich mir noch, ob ich nicht vom klaren Wasser trinken sollte.. Die Versuchung war gross gewesen, doch die Vernunft stärker, und ich liess es sein.. Bog um die nächste Kurve und scheuchte ein Reh auf, das sich mitten im Wasser befand.. Diesmal hörte ich an praktisch der gleichen Stelle und in meiner unmittelbaren Nähe hinter den Büschen ein erschreckendes Bellen.. Da ich den Zustand der maximalen Müdigkeit an diesem Ort diesmal noch nicht erreicht hatte, setzte ich zu einem zweihundert Meter Lauf an.. Den Pickel fest mit beiden Händen umklammert schoss ich wie ein Schatten durch die Dunkelheit.. Und blieb mit dem rechten Fuss an einer Baumwurzel hängen.. Quasi im Zeitlupentempo bewegt sich mein Oberkörper weiter in Richtung Unterwallis, während meine Beine und alles, was sich unterhalb der Gürtellinie befindet, an Ort und Stelle bleiben will.. Komme mir vor wie ein mittelalterlicher Held, der sich im Zustand gekränkten Stolzes in sein Schwert wirft.. Kann den spitzen Pickel aber noch in letzter Millisekunde von meiner strammen Brust wegziehen.. Schlage dagegen voll mit meinem rechten Knie auf irgendeinem Stein auf.. Die Erinnerung und der Schmerz bleibt für den Rest des Tages erhalten.. Eine gute Wegstunde später folge ich dem sehr steilen Pfad der Raspille entlang in die Berge hoch.. Verschiedene Wegweiser machen auf einen Wasserfall aufmerksam.. Und dann stehe ich unmittelbar davor.. „Le Pichiour“ heisst der eindrückliche Ort.. Gewaltig stürzen die Wasser in die Tiefe.. Bald ist deine Brille von einem dünnen Wasserfilm bedeckt.. Der Weg führt zwischen herunterfallenden Wassermassen und der Felswand hindurch.. Wirklich ein sehr eindrückliches Naturschauspiel! Eine halbe Stunde später komme ich am Ort „Cave du Sex“ an.. Der Gesang vieler Ziegenschellen dringt an mein Ohr, während Hunde aufgeregt dazwischen bellen.. Es ist Zeit, mit meiner Frau telefonisch Kontakt aufzunehmen.. Sage ihr, dass da stolze Ziegen auf dem Hüttendach stehen, und dass ich diese fotografieren wolle.. Vorerst wechsle ich noch ein paar Worte mit der Ziegenhirtin.. Sie ist damit beschäftigt, die weiblichen Tiere von überschüssiger Milch zu befreien.. Ich solle mich den Tieren nicht zu sehr nähern, weil sie einen Herdenhund besässen, und dieser recht aufsässig sein könne.. Schon vorher war ich von einem guten halben Duzend Hunden freundlich oder weniger freundlich begrüsst worden.. Dann ziehe ich weiter zur Hütte, um die Dachziegen, und nicht Dachziegel, zu fotografieren.. Sie waren die ganze Zeit über absolut still geblieben.. Es stellte sich bald heraus, dass sie aus Holz geschnitzt waren.. Weiter oben kam  ...   so schaffte ich es trotz bedrohlicher Kriegslage, den Gipfel zu erschleichen.. Ob meine Gestalt auf irgendeinem Bildschirm in irgendeinem Militärbunker aufgeblitzt war, kann ich heute nicht mit Sicherheit sagen.. Vielleicht hat mich sogar der Oberbefehlshaber der Schweizer Armee ausspioniert und für harmlos eingeschätzt.. Dies war mir in diesem Moment alles so lang wie breit, denn ich wurde von einem unglaublichen Heisshunger hinunter in die Wildstrubel Hütte getrieben.. Als mir der Hüttenwart die heisse Käseschnitte auftischte, liess er mich wissen, dass man von der Hütte aus den Wildstrubel leicht in dreieinhalb Stunden besteigen könne.. Viele Leute schienen dies am folgenden Tag auch tatsächlich tun zu wollen.. Vor mir war jetzt noch der lange Abstieg zur Iffigenalp hinunter.. Über zwölfhundert Meter sind zu überwinden.. Meine Idee war plötzlich, noch möglichst weit in feindliches, bernisches Gebiet vorzudringen, um meine Tages Leistungskilometerbilanz etwas aufzupolieren.. Hoffte, dass ich auf diesem Wegstück noch den einen oder anderen langsamen Berner würde überholen können.. Dieses Erfolgserlebnis würde sicher neuen Schwung in meine Unternehmung bringen.. Keine Menschenseele liess sich aber blicken.. Das einzige, was ich noch überholen konnte, war eine saftige Weinbergschnecke.. Und diese konnte ich auch erst zwanzig Stunden nach meinem Aufbruch auf dem Bahnhof Brig zum ersten Mal überrunden.. Zu sagen, dass der Weg ins Tal hinunter sehr spannend ist.. Unglaublich, wie er sich durch die steilen Abgründe schlängelt!.. Der Weg zurück ins Wallis war eine nicht enden wollende Bus- und Zugfahrt.. Muss sagen, dass mir die Gegend, das Simmental, total fremd ist.. Sehr spannend war es auch, den „Iffigfall“, ein unglaublicher Wasserfall, vom Postauto aus kurz zu sehen.. Nichts als Zahlen.. Am Rande vermerkt.. Dir ist vielleicht bekannt, dass ich in letzter Zeit immer wieder von einer quälenden Frage geplagt werde.. Nicht dass ich mir diese Frage selber stellen würde, nein, sie wird mir von anderen gestellt.. So auch gestern, nach dieser nicht ganz kurzen Tour wieder, fragt mich ein ehemaliger Laufkollege auf dem Visper Bahnhof ganz unschuldig, aber mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel treffend: „Arbeitest du noch, oder bist du jetzt pensioniert?“ Ich kann diese Frage so schlecht einordnen.. Sehe ich denn nach meinen langen Touren so alt aus, oder ist das immer der Fall.. „Sieh es positiv!“ sagte ich mir.. Kurz darauf liess mich der Läufer wissen, dass er seit Januar unter dem Pfeifferschen Drüsenfieber leide.. Ah, jetzt war einiges klar - weil er selber nicht mehr ganz klar im Kopf ist, stellt er mir solche dummen Fragen.. Man sollte ja glücklich sein, wenn einem diese Frage noch gestellt wird.. Denn wenn dies einmal nicht mehr der Fall ist, dann wird man so furchtbar dreinschauen, dass die Sache klar ist: Der kann doch gar nicht mehr arbeiten! Dies ist eventuell die letzte brutale Frage, mit der man im Leben noch konfrontiert wird.. Ich befürchte aber auch, dass dem nicht so sein könnte.. Ich bin mir jetzt schon fast sicher, dass mir bald nach der Pensionierung dann immer wieder die Frage gestellt wird: „Lebst du noch Daheim, oder bist du jetzt im Altersheim?“ Und im Altersheim wird es bestimmt noch schlimmer werden.. Praktisch jeden Morgen wird mich die Pflegerin fragen: „Atmest du überhaupt immer noch, oder lebst du bereits im Paradies?“.. Schön, dass es anderen Leuten auch nicht besser geht.. Meine Tourenkollegin hätte gestern fast den Hochzeitstag verpasst.. Ich riet ihr: „Mach doch jetzt einen Knopf in dein Taschentuch, damit du es nächstes Jahr nicht wieder vergisst!“.. Anderes läuft wieder äusserst positiv.. Habe wieder mal einen ärztlichen Security Check über mich ergehen lassen.. Gestern war Schlussbesprechung.. Der Arzt schlang den Arm um meine Schulter, und wir schauten gemeinsam in den grossen Spiegel in seiner Praxis.. „Seien Sie froh, die meisten Organe sind bei Ihnen noch vorhanden und funktionstüchtig, und sie befinden sich grossmehrheitlich am richtigen Ort.. Es bestehen Aussichten auf ein langes Leben.. “ Nur ein Problem hatte der Arzt mit mir - mein Ruhepulz ist bedrohlich tief.. 36 Herzschläge ist viel zu wenig für einen Mann in meinem Alter.. Also liess er den Test nochmals wiederholen.. Fesselte mich erneut auf den Untersuchungstisch und liess die Elektroden von seiner attraktivsten Gehilfin nochmals anbringen.. Half alles nichts.. Mein Puls fiel auf 35 hinunter.. Nach diesen Messungen einigten wir uns darauf, dass ich jetzt mal einen Tag lang eine Art elektronische Fussfessel tragen soll, die alle meine Herzschläge aufzeichnet.. Was es doch nicht so alles gibt!.. Der Weg..

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  • Title: Mont Lachaux - Bergtouren von Brigger Eugen
    Descriptive info: Mont Lachaux (2140).. Vom Bahnhof Brig zu Fuss auf den Mont Lachauch (22.. Zum Mont Lachaux hinauf geblickt - welche Blumenpracht!.. Lac de Tseuzier mit ganz rechts dem Wetzsteihore (2782).. Wohl Rohrbachstein (2950).. Trotz der vielen Bahnen gibt es auch schöne Plätzchen (Tsa Bonna).. Trubelstock (2999).. Vorne anliegend ist das Nuseyhorn.. Ganz rechts wäre das Tschajetuhorn.. Wäre ein Ziel gewesen - Mont Bonvin.. Das Tothorn hinten.. Die Bahn auf die Plaine Morte.. Der Tubang.. Interessante Bahn - hier kehrte ich um.. Für ein paar Bilder die schwere Kamera 50 Kilometer weit getragen.. Der Mont Lachaux ist ein unscheinbarer Gipfel oberhalb von Montana.. Er kann sehr leicht erwandert werden - entweder von unten hinauf oder von oben hinab.. Bequemer ist es, wenn man mit der Seilbahn nach Cry d’Er fährt und dann auf den Gipfel hinab steigt.. Oder hinab fährt - den praktisch über den Gipfel des Mont Lachaux führt einer schneller Fahrrad Trail, der an diesem Tag von vielen benutzt wird, und zwar sehr schnell.. Es wird einem fast schwindlig, wenn man den wagemutigen Piloten zuschaut.. Nicht auszudenken, wenn ….. Zahlen zur Tour.. Und noch dies.. Mit dem Mont Lachaux hatte ich noch eine Rechnung offen.. Denn ich hatte ihn vor drei Jahren von Brig aus kommend verpasst (Siehe meinen entsprechenden Bericht).. Damals war ich etwa fünfzig oder hundert Meter am Gipfel vorbei marschiert, einfach weiter hinauf bis nach Cry d’Er.. Das sollte mir heute nicht nochmals passieren.. Den langen Anmarsch wollte ich nur darum nochmals auf mich nehmen, um gleichzeitig.. den Mont Bonvin (2995).. das Tothore (2935).. die Pointe de la Plaine Morte (2927).. die Ponte de Vatseret (2812).. das Wisshore (2948).. das Gletscherhore (2943).. das Wetzsteihore (2782).. zu besteigen.. Welche löbliche Idee, welch kühnes Unterfangen und welch klägliches Scheitern! Es ist an diesem sonnigen Tag beim Mont Lachaux geblieben.. Den habe ich aber mit Bravour bestiegen.. Ich habe sogar eine  ...   dass es mit dem Aufsteigen alleine nicht getan sein würde.. „Gott ist grösser, als alles, was wir sehen!“ Sehr religiös war ich an diesem Tag, denn ich hörte immer wieder „Adam“ von Gregor Linssen, den meine Tourenpartnerin Birgit mit ihrem Chor „Young Voices“ inszeniert hatte.. Mein Gott, was die Frau alles kann! Der Text passte oft zu meiner heutigen Tour.. „Wo ist der Mensch, den Gott erschuf?“ - das musste ich mich tatsächlich fragen, denn mit solchen Blasen an den Füssen hatte er mich sicher nicht geschaffen.. Nicht im Entferntesten kam ich mir wie ein Wesen vor, das Gott erschaffen haben könnte.. „Wie weit werdet ihr gehen, um die Antwort zu finden?“ - Nicht mehr weit, denn ich nahm die Bahn nach Montana hinunter.. Fünfzehn Franken für die kurze Strecke - die müssen sich nicht verwundern, wenn die Touristen ausbleiben.. Daheim erschrak ich dann ein wenig, weil mich mein Arzt schon wieder anrief um sich zu erkunden, wie es mir gehe.. Heute Morgen verging ich fast von Heisshunger, wie das nach längeren Touren oft der Fall ist.. Ich durfte aber nicht essen, weil noch eine Blutentnahme beim Arzt anstand.. Immer wieder blickten mich gut essbare Bananen, Würste, Joghurts und anderes von überall her an.. Nach Stunden des schmerzhaften Fastens verifizierte ich nochmals den Termin beim Arzt - Morgen Mittwoch, ab acht Uhr.. Und dann war da heute Morgen noch eine fette Wespe an meinem Zimmerfenster, die unbedingt an die frische Luft wollte.. Hilfsbereit öffnete ich den weiten Flügel daneben und begab mich in mein Büro.. Eine Stunde später kam ich in mein Zimmer zurück.. Die Wespe war noch immer am gleichen Ort, war jetzt aber müde und sichtlich erschöpft.. Wieso können diese Viecher nicht ein wenig nach rechts oder links schauen und dort die Lösung für ihre Probleme suchen? Dachte es, schüttelte den Kopf und begann mit meinen Zähnen eine Sardinenbüchse zu öffnen..

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  • Title: Almagellerhorn - Bergtouren von Brigger Eugen
    Descriptive info: Almagellerhorn (3327).. Vom Bahnhof Brig zu Fuss auf das Almagellerhorn (16.. Gipfelinschrift.. Menschen, die die Berge lieben, sind aus tiefster Seele frei.. Sie entschweben leicht dem Alltagsallerlei.. Menschen, die die Berge lieben, widerspiegeln Sonnenlicht.. Alle, die im Tal geblieben, verstehen ihre Sprache nicht.. Das Almagellerhorn von Saas-Fee aus gesehen (11.. Auch den Mittelrück sieht man vom Almagellerhorn aus (hier von Saas-Fee aus - 11.. Das Almagellerhorn ist ein sehr schöner Aussichtspunkt.. Seine Besteigung lohnt sich auf alle Fälle.. Sogar das Monte Rosa Massiv erscheint von seinem Gipfel aus gesehen recht nahe.. Normalerweise fährt man mit der Bahn bis Heitbodme.. Von hier aus sind tausend Höhenmeter zu überwinden.. Ich bin weglos über „Galen“ und die Westflanke aufgestiegen.. Beim Punkt 3042 habe ich den SW-Grat gewonnen.. Von dort aus geht es über Blöcke und Weglein bis zum Gipfel.. Anfangs ist noch ein kleiner Aufschwung zu überwinden.. Das Gros der Leute folgt dem SW-Grat vom Weg aus, der  ...   niemandem empfehlen möchte.. Nachts bin ich im T-Shirt und in Shorts gelaufen.. Hatte deswegen gegen Morgen recht kalte Beine und Finger, so dass ich letztere zum Öffnen eines Stückes Käse kaum gebrauchen konnte.. Tagsüber bin ich jetzt in langen Ärmeln und langen Hosen unterwegs - wegen der Sonne.. Bin eingekehrt.. Habe eine Kanne Tee bestellt.. Drin waren zwei kleine Tassen warmen Wassers und ein Schwarzteebeutel.. Musste dafür sechs Franken vierzig bezahlen.. Wäre besser gefahren, wenn ich zweimal eine Tasse bestellt hätte.. Zur Erinnerung: Auf der Mischabelhütte kostete ein guter Liter Tee nur acht Franken.. In Italien muss man dafür fast nichts bezahlen.. Die Leute im Saas-Tal sind aber freundlich - sogar die Kinder grüssen einen.. Nachmittags machte ich mit meiner Mutter im Altersheim Lauftraining.. Sie macht etwa so schnell Fortschritte mit dem Gehen wie ich bei meinen „Briger“ Touren.. Hatte meine kleine SAMSUNG Kamera mit.. Weiss nicht, ob ich deren Bilder auch noch publizieren will..

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  • Title: Mont Major - Bergtouren von Brigger Eugen
    Descriptive info: Mont Major bei Vercorin (2374).. Vom Bahnhof Brig zu Fuss auf den Mont Major (12.. Bilder von Saas-Fee (hier nur zur Illustration eingefügt).. Feegletscher (11.. Moränenlandschaft in Saas-Fee (11.. Steinmann in Saas-Fee (11.. Der Mont Major ist ein unscheinbarer Gipfel oberhalb von Vercorin.. Skilifte führen auf ihn hinauf.. Bekannter unter Alpinisten ist die „La Brinta“, die nur wenig südlich vom Mont Major liegt.. La Brinta wird im Winter oft mit Ski begangen.. Ein interessanter Teil meiner Tour war der Weg durch den bekannten Pfynwald von Susten bis eingangs Siders.. Wider Erwarten war die Temperatur zu mittäglicher Stunde nicht einmal unerträglich.. Eine leichte Bise wehte.. Der Pfynwald an sich ist ein Wunder der Natur.. Landschaftlich fühlt man sich hier und dort in den afrikanischen Busch versetzt.. Dann führt der Weg an lieblichen Seen vorbei.. Früher durfte hier noch gebadet werden.. Plötzlich stieben ein paar Mädchen hoch zu Ross durch den Wald.. Die Landschaft böte eine ideale Kulisse für einen Robin Hood Film.. Später kann in einer romantischen Buvette der Durst gestillt werden.. Recht interessant ist auch der Weg von Chippis nach Vercorin hoch.. 793 Höhenmeter sind zu überwinden.. Briey war früher wohl eine Maiensässe.. Glücklich, wer hier eines der schönen Chalets im Wald besitzen darf.. Von Vercorin nach Sigeroula hoch gibt es einen interessanten Waldweg, den ich erst auf dem Abstieg entdeckt habe.. Man kann auch den Pisten folgen.. Die Aussicht auf dem Gipfel ist sehr schön.. Uninteressante Infos für den interessierten Leser.. Leicht ist es, von Brig das Wallis hinunter zu laufen.. Der Weg führt mehr oder weniger in westsüdwestlicher Richtung.. Man kann sich fast nicht verlaufen.. Erst nach einer Weile begann ich, dem Schatten vor mir Aufmerksamkeit zu schenken.. Der Schatten war gross und klar, denn die Sonne war genau in meinem Rücken.. Und ich begann, diesen Schatten zu lieben - seine Bewegungen waren so edel und ausgeglichen! Wer mit seinem eigenen Schatten unterwegs ist, fühlt sich auf Weitwanderungen viel weniger einsam.. Zudem gab er mir einen flotten Rhythmus vor, so dass ich lange leicht und ohne zu ermüden laufen konnte.. Was mich ein wenig ärgerte, war, dass der Schatten nach einer fast unmerklichen Strassenbiegung etwas von der seitlichen Strassenlinie weg zeigte.. Da ich etwas pingelig sein kann, störte dies meinen Wunsch nach Symmetrie in allen Dingen.. Stur folgte ich daher dem Schatten gleichwohl weiterhin ganz genau und gelangte dabei mehrere Male ganz bedrohlich an den anderen Strassenrand.. Wäre sogar über die Böschung hinunter gefallen, wenn da nicht jeweils noch eine dieser Pappeln gestanden wäre, die man vor ein paar Jahren noch alle umhauen wollte.. Die Pappeln zierten unseren schönen Kanton früher landauf und landab.. In einer langen Doppelreihe folgten sie der Kantonsstrasse - wohl bis ans Meer hinunter.. Plötzlich hatte ich die Idee, die Augen so zu verdrehen, bis ich zwei Schatten sah.. Zu dritt lief es sich noch leichter.. Das ständige Verdrehen der Augen war aber  ...   Reifen.. Alles war in bester Ordnung.. Dann kehrte ich in ein Restaurant ein, ass ganz gehörig und italienisch, und kam anschliessend wieder auf eine ordentliche Geschwindigkeit.. Ich war Opfer eines Hungerrastes geworden.. Aber diese Geschichte hab ich wohl schon in einem früheren Bericht geschrieben.. Das Problem, das ich heute oft habe, ist, dass ich nicht mehr weiss, was ich schon alles geschrieben habe.. Und so wiederhole ich mich wohl oft.. Du magst jetzt lachen und dich gut fühlen.. Für dich ist es natürlich leicht, zu wissen, ob ich etwas schon mal erzählt habe oder nicht.. Ich merke es jeweils auch direkt, wenn mein Arbeitskollege ansetzt, eine Episode zu erzählen, die er schon viermal erzählt hat.. Nur er selber merkt es nicht.. Du siehst, man muss als Zuhörer nicht einmal ganz so schlau sein, um dies zu merken.. Wer Sachen erfindet und vortäuscht, kann leicht entlarvt werden, denn er erinnert sich oft nicht mehr daran, was er das letzte Mal erzählt hat, und das Gedächtnis der Zuhörer ist erbarmungslos.. Um diesen nicht zu sehr zu langweilen, wähle ich jeweils einen anderen Ausgang der Geschichte.. Das Problem ist dabei nur, dass ich mich nicht mehr an die vor vier Stunden gewählte Version erinnern kann.. Und noch dies: Habe ich überhaupt schon einmal geschrieben, dass ich mich oft nicht mehr daran erinnern kann, ob ich etwas schon mal geschrieben hätte? So in einem Traum gefangen muss ich eine gute halbe Stunde geschlafen haben.. Ich begann mit den Augen zu blinzeln, und blickte für den Bruchteil einer Sekunde in das hellste Sonnenlicht, das ich je gesehen hatte.. Die Sonne lag senkrecht über meinem Schädel.. Und damit hatte sich auch das Rätsel mit meinem kleinen Schatten gelöst.. Und hatte somit auch viel gelernt und setzte den Weg auf bescheidenere Art fort.. Noch eine Stunde vorher, hatte ich gemeint, das Columbus und die anderen Seefahrer doch nicht ganz schlau gewesen seien, dass sie, um nach Amerika zu gelangen, doch nur ihrem Schatten hätten nachsegeln müssen.. Vieles im Leben ist halt komplizierter, als man meint.. Um ehrlich zu sein, ist mir das Laufen an diesem Tag nicht immer ganz so leicht gefallen wie eben beschrieben.. Nur der Spaziergang mit meiner Frau durch den Pfynwald war gemütlich.. Am Morgen war ich mal 1 ¼ Stunden lang gejoggt.. Und später nahm ich mir fest vor, dies nochmals eine Stunde lang zu tun.. War etwas hart aber brachte mich dem Ziel bedeutend näher.. In Vercorin gab ich schon fast den Geist auf.. Oh jeh, nochmals tausend Höhenmeter lagen vor mir.. Meinte, den Gipfel wohl nie zu erreichen.. Und so sagte ich mir: „Jetzt gehst du nochmals eine Stunde!“ Später erblickte ich auf der anderen Talseite den Tuono, an dem Anne-Catherine im Februar verunglückt war.. Bat sie um ihren Beistand.. Kurz später blickte ich auf den Höhenmesser und stellte mit Erleichterung fest, dass nur noch fünfzig Meter vor mir lagen..

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  • Title: Schwarzhorn 3620 - Bergtouren von Brigger Eugen
    Descriptive info: Schwarzhorn, Mischabelhütte.. Vom Bahnhof Brig zu Fuss auf das Schwarzhorn (09.. Die Mischabelhütte vom Schwarzhorn aus aufgenommen.. Die Kirche liegt 1545 Höhenmeter tiefer.. Die Mischabelhütte auf 3335 m ü.. M.. gelegen.. Blick vom Gipfel des Schwarzhorns zur Hütte und nach Saas-Fee hinunter.. Unter dem Alphubel hindurch führt diese Spur zum Mischabeljoch (Biwak).. Alphubel Ost.. Alphubel.. Stellihorn.. Die Hütte im Abstieg mit dem gut markierten und abgesicherten Weg.. Auf dem oberen Distelhorn.. Nur dieses (abgemagerte) Tier gesehen.. Grenzenlose Freiheit?.. Steingeiss.. Wasser.. Oberhalb der Mischabelhütte gibt es ein Schwarzhorn, und das habe ich heute bestiegen.. Im Abstieg habe ich meinen Fuss auch noch auf das Obere und auf das Untere Distelhorn gesetzt.. Der Gipfel des Schwarzhorns liegt 285 Höhenmeter oberhalb der Hütte.. Die Distelhörner sind Teil des Grates, der von der Hütte Richtung O, beziehungsweise SO hinunterführt.. Der Hüttenweg von Saas-Fee hoch zieht sich in die Länge.. 1545 Höhenmeter sind zu überwinden.. Der obere Teil ist klettersteigmässig ausgerüstet.. Viele Eisenbügel sind angebracht worden.. Man kann sich durchgehend am dicken Drahtseil sichern.. Vor allem auf dem Abstieg ist Vorsicht geboten.. Früher führte der Weg weiter links hoch.. Dort war Steinschlag häufig.. Auch auf dem neuen Weg sind schon Alpinisten zu Tode gestürzt.. Wohl weil sie müde und zu wenig konzentriert waren.. Zur Besteigung der Distelhörner habe ich den gesicherten Hüttenweg verlassen und bin weiter dem Grat talwärts gefolgt.. Die Variante ist nicht schwierig.. Vorsicht ist aber auch hier am Platz.. Das Wetter war recht warm.. Aus den erhofften guten Aufnahmen von Lenzspitze und Nadelhorn ist aber nichts geworden, weil dichter Nebel die Berge verhüllte.. Informationen aus erster Hand mit beschränktem Wahrheitsgehalt.. Vielleicht ist dir aufgefallen, dass ich meine alte Homepage gelöscht habe.. Das gleiche Schicksal haben schon fünf oder sechs frühere Versionen erlebt.. Ist ja gut für dich - so bleibt es dir erspart, die alten Berichte nachzulesen.. In diesen hatte sich nämlich so viel Unsinn angesammelt, dass einige schon von Internet Verseuchung sprachen.. So nehme ich mir ernsthaft vor, mich zu bessern.. Und dies ist mir jetzt schon auf zwei-drei Wanderberichten gelungen.. Doch wieder merke ich, dass eine gewisse Versuchung da ist, auch Ungereimtes in meine Berichte aufzunehmen.. Grosse Verbesserung bei dieser Homepage Variante: ich trenne die seriöse Tourbeschreibung strikte vom „Non sense“.. Bei einem Blick auf meine Agenda bin ich vor zwei Tagen ganz gehörig erschrocken - schon seit mehr als einem halben Jahr hatte ich keine richtige Tour mehr unternommen, das heisst keine Tour vom Bahnhof Brig aus.. Und in Kürze würde meine Berg Kollegin, die ich im Sommer immer aus Deutschland einfliegen lasse, beziehungsweise, die selber einfliegt, eintreffen, und die will immer die anspruchsvollsten Touren unternehmen.. Sie steigt die Bergflanken hoch wie eine Gämse und kehrt ins Tal so flink zurück wie ein Steinadler im Sturzflug.. Also war es höchste Zeit, wieder einmal mein Bündel zu schnüren und aufzubrechen und meine Kondition zu testen.. Das Problem war nur, dass mein guter Wille den Magen-, Darm- und ich weiss nicht was für Beschwerden, mit denen ich seit einer Woche kämpfe, diametral gegenüber stand.. Ehrlich: seit Tagen verwandelt mein System alles, das ich ihm zuführe, blitzschnell in Wasser und Kohlendioxyd.. Und alles strebt mit Druck und Krachen nach Freiheit.. Zur Wiederholung der Schul Chemie: Jede chemische Verbrennung von Stoffen führt eigentlich zu CO2 und H2O.. Also konnte doch alles nicht so schlimm sein.. Schlussendlich erreichte ich jedenfalls den kleinen Ort Eisten.. Steil ragen hier die Felswände in die Höhe.. Früher gab es ein Lied „In’er Eischtu is am leitschtu uf der ganzu witu Wält …“ (In Eisten ist es am hässlichsten auf der ganzen weiten Welt …), welches von den Einheimischen oft gesungen wurde.. Einmal war ich hier nachts auf einer meiner Touren unterwegs.. Es war Vollmond.. Und der Mond passte genau zwischen die beiden Talflanken - so eng ist es hier.. Und dennoch würde ich lieber in Eisten wohnen als in New York.. Die Gegend sagt mir irgendwie mehr zu.. Auch in Eisten machten sich wieder meine Magenbeschwerden bemerkbar.. Dies war irgendwie nicht mit meinem i-Pod Kopfhörer vereinbar, der zu diesem  ...   Geschichten sei.. Diesen Witz habe ich doch schon mal erzählt.. Ein Saaser (Ureinwohner aus dem Saastal) hatte Würste gemacht.. Er hatte alle Zutaten genau abgewogen, und zwar so, dass es 100 Würste geben würde.. Am Schluss stand er aber mit nur 99 Würsten da.. Wo war die letzte Wurst geblieben? - Antwort: Er hatte vergessen, das Fleisch beizugeben.. (Ich glaube, ich muss hier mal das Bild einer Wurstmaschine, wie wir sie daheim im Estrich noch haben, anfügen, damit du den Witz verstehst).. Später hatte ich einigermassen mit dem steilen Aufstieg zu kämpfen.. Ich war irgendwie hungrig, brachte aber den ebenfalls eingekaufte Cervelat fast nicht hinunter.. Erst als ich ihn mit dem mitgeführten Pickel halb tot geschlagen hatte, schaffte ich es.. War später zwischen Hütte und Schwarzhorn froh, den Pickel mitgenommen zu haben, denn dort bewegte ich mich am Gletscherrand, einfach der Spur folgend.. Gefährlich oder nicht, kann man sich in den Bergen immer fragen.. Aber du willst ja auch nicht an Durchfall verenden, oder an Hämorrhoiden, oder sogar an Verstopfung.. Jetzt weiss ich wenigstens, warum wir in der Schule die Rechtschreibung von so extremen Wörtern wie „Hämorrhoiden“ lernen mussten.. die Buchstabenfolge „rrh“ - fast unglaublich.. Auf dem Gipfel war von all der Herrlichkeit des Nadelhorns und der Lenzspitze nichts zu sehen, weil die Wolken tief herab blickten.. Nur hin und wieder hörte ich, wie Gletscherabbrüche in den Talkessel hinunter donnerten.. Die Nordwand werde im Moment begangen, liess mich die Hüttenwartin wissen.. Nur die letzten paar Meter seien blank.. Der Ostgrat sei noch nicht begangen worden.. Erlebte dann noch einen kleinen moralischen Tiefschlag.. Die Hüttenwartin Maria wollte wissen, ob ich noch arbeite, oder ob ich pensioniert sei.. Und diese Frage ist mir in letzter Zeit schon ein paarmal gestellt worden.. Die Frage mag in Griechenland lustig sei, wo man schon mit 45 in Pension geht, aber doch nicht in der Schweiz.. „Pensionierung“: heisst bei uns, du bist auf dem besten Weg zur Verwesung.. Und Maria stellte mir die Frage nicht etwa, während ich den Berg hoch kroch, sondern während ich relativ entspannt am Tisch sass.. Am Berg hätte sie mich wohl gefragt: „Kommst du gerade aus dem Greisenasyl?“ Auf alle Fälle lohnt es sich zu überlegen, bei welcher Tätigkeit man altersmässig über- oder unterschätzt wird.. Das nächste Mal, wenn ich in dieser Hütte ankomme, werde ich mir einen Kartoffelsack überstülpen und fragen: „Was meinst du, wie alt bin ich, ich bin gerade von Brig hoch gelaufen?“ Mein Gemütszustand in der Hütte wurde etwas besser, als ich auf meine Militärsocken blickte und feststellte, dass diese vierzig Jahre alt waren.. Na, da hatte ich eine Erklärung!.. Beim Abstieg versuchte ich, mich von meinen eigenen Gedanken ein wenig zu lösen und hörte Podcasts von BBC (Discovery).. Hast du gewusst, dass unsere Antibiotika je länger je weniger wirksam sind, und dass wir in Sachen Infektionsbekämpfung bald ins neunzehnte Jahrhundert zurückfallen könnten? War nicht so lustig.. Interessanter, und eher zu mir passend, war der Bericht einer Insektenforscherin.. Sie wird von Kriminalbeamten oft zu Leichen geführt, die längere Zeit irgendwo im Wald oder im Keller herumgelegen haben, und muss aufgrund der anwesenden Fliegen und Larven feststellen, wann der (gewaltsame oder natürliche) Tod eingetreten ist.. Das ist heute relativ genau möglich, kommt aber auf die Umstände an.. Ein Mann sei mal irgendwo im Schnee in der Kälte auf dem Heimweg stecken geblieben.. Hätte sich den Rücken gebrochen und sei gestorben.. Die Bestimmung des Todeszeitpunktes sei schwierig gewesen, weil sich die Fliegen des kalten Wetters wegen kaum vermehrt hätten.. Interessant! Es gibt auch Leichenfarmen.. Das heisst: Du kannst deinen (wenn möglich) toten Körper der Kriminalforschung zur Verfügung stellen.. Er wird dann irgendwo im Gelände ausgesetzt, und die Forscher beobachten und registrieren mit Interesse, wie er langsam zersetzt wird.. Die gleichen Experimente macht man auch mit toten Scheinen.. Als ich dann abends wieder bei meiner Mutter im Altersheim St.. Antonius ankam, meinte sie: „Du siehst ja aus wie eine arme Seele!“ (sie sagte dies, weil ich scheinbar recht müde aus den Augen schaute).. Und so ging eine schöne Tour zu Ende..

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  • Title: Piodelle - Bergtouren von Brigger Eugen
    Descriptive info: Cima delle Piodelle (3081).. Besteigung vom Bahnhof Brig aus vom 26.. 09.. Wanderfreuden über der Alpe Veglia.. Steinmann mit dem Pizzo Moro.. Wolken über dem Rosswald mit Folluhorn.. Alpe Veglia.. Herbststimmung am Lago Bianco.. Hillehorn (nicht einfach zu besteigen) vom Ritterpass aus.. Junger Muni auf der Alpe Veglia.. Am Lago Blanco mit dem Pizzo Moro.. Lago Bianco.. Herbststimmung.. Wo man an seinen Wanderungen so überall vorbeikommt.. Die C.. A.. I.. Hütte auf der Alpe Veglia.. Blick von der CAI Hütte auf der Veglia zum Wasenhorn hoch.. Mehr Details.. Abendstimmung über dem Rosswald.. Typisches Exemplar einer italienischen Kuh (hinten Pizzo und Punta Valgrande).. Ente, Sphinx oder Fels am Helsenhorn?.. Das Hillehorn (rechts) vom Ritterpass aus gesehen.. Am Ritterpass.. Stausee oberhalb von Heiligkreuz und unterhalb des Ritterpasses.. Zwischenverpflegung für einen müden Wanderer auf der Alpe Veglia.. Blick über den Lago Bianco zum Chaltwasserpass hoch.. Vordere Helse vom Ritterpass aus.. Talkessel von Chummibort - der Ritterpass ist links oben.. chummibortsee.. Cima delle Piodelle, nichts Spezielles, zum Glück auch nichts Besonderes - einfach zu besteigen.. Rechts Cima delle Piodelle, links geht es zum Ritterpass.. Blick in Richtung Punta di Boccareccio.. Der Sinn der heutigen Tour lag in der Überprüfung lebenswichtiger Systeme - also in der Beantwortung der Frage: Wie steht es um Herz, Niere, Lunge und Leber? Während der ganzen Unternehmung sollte das GABI angewandt werden:.. -.. Gibt er Antwort?.. Atmet er?.. Blutet er?.. Ist Puls normal?.. Entwarnung: trotz der etwas längeren Tour konnten alle Fragen mit Ja oder Nein beantwortet werden - weder sprang das Herz zum Hals heraus, noch fiel es in die Hosen.. Die Tour war lang und zählte fast so viele Abstiegs- wie Aufstiegshöhenmeter.. Sie gipfelte auf der 3081 Meter hoch gelegenen Cima delle Piodelle, streifte das Helsenhorn und überstieg die Furggubäumlicke - wie die letzte Tour - und den Ritterpass.. Letzterer war auch für mich neu.. Ich kann ihn dem Normalwanderer fast nicht weiterempfehlen, weil auf der Veglia Seite ewig lang aufgestiegen werden muss, während der Abstieg auf der Heiligkreuzseite kein Ende nehmen will.. Der Weg über den Pass ist recht steil und zudem mit Steinen gespickt.. Glaube nicht, dass da je ein Ritter darübergeritten ist.. Darum passt die italienische Bezeichnung viel besser: Passo di Boccareccio – keine Ahnung, was das heisst.. Der Besuch des Talkessels von Chumibort oberhalb von Heiligkreuz kann aber durchaus empfohlen werden.. Auf 2097 Meter über Meer gibt es da einen schmucken.. Stausee.. Vielleicht empfand ich den Ritterpass auch nur deshalb etwas mühsam, weil ich vorher schon die Furggubäumlicke überstiegen hatte, und weil ich in der Hütte des italienischen Alpenclubs auf der Alpe Veglia etwas viel Käse, Trockenfleisch und Wurst gegessen hatte.. Die Tour fand nicht unter den Wetterumständen statt, die angekündigt worden waren.. Es hätte einigermassen sonnig und warm sein sollen.. Stattdessen stürmte es fast ständig, und ich wurde an diesem Tag mehr als einmal nass.. Schon ausgangs Brig fielen die ersten Regentropfen.. Somit konnte denn auch mein Hauptwunsch nicht erfüllt werden - mein Ziel war nämlich gewesen, ein paar wunderbare Herbstfotos zu schiessen.. Die Farben der Natur wären noch immer grandios..  ...   zwei Hunden gebissen worden bin, und ich, der von einer seiner treuen Tourenbegleiterinnen auf den höchsten Gipfeln nach ansehnlicher Leistung keinen Gipfelkuss bekommt, während sie ihren Hund schon nach zwei Stunden Abwesenheit auf beide Wangen küsst! Das ginge ja noch - nicht jedoch die Umstände, unter denen ich den Hund tragen musste.. Die Besitzerin war sehr besorgt um ihren Allerliebsten.. Nach jedem meiner Schritte fragte sie ihn, wie es ihm gehe und bot ihm Schokolade und andere Süssigkeiten an, während ich quasi inexistent war und unter der schweren Last pustete und schwitzte.. Nicht, dass ich es nicht bis in die Lücke geschafft, und dass ich Lust auf Schokolade gehabt hätte, doch trocknete mir die Kehle ganz gehörig aus, so dass mich stark nach Bier und Wein dürstete.. Doch wie gesagt, in einer Art Tunnelblick sah die fragliche Hundebesitzerin nur ihren Vierbeiner jedoch nicht mich erbärmlichen Zweibeiner.. Dieser erbärmliche Zustand sollte mir also inskünftig erspart werden, und somit suchte ich diesmal einen leichteren Aufstieg weiter links - also einen Aufstieg, auf dem ich Hunde wie Lugo (*) instkünftig nur so vor mir herjagen konnte.. (* alle Namen wie immer von der Redaktion geändert, so dass sich kein Hund in seinen Persönlichkeitrechten verletzt fühlen muss.. Alle Namensübereinstimmungen und -ähnlichkeiten sind zufälliger Art).. Ich folgte einer Rampe einer stattlichen Anzahl Meter, dann wurde das Gelände wieder unübersichtlich und steil.. Oh weh! auch hier müsste ein künftiger Hund wieder getragen werden.. Schlimmer noch: mit meinen aktuellen Kletterfähigkeiten und einem zusätzlichen Hund auf den Schultern käme auch ich hier bald an meine Grenzen.. Somit würde mir selber nichts anderes mehr übrig bleiben, als selber nach einem geübten Kletterer zu schreien, bei dem ich quasi wie ein Hund aufsitzen könnte.. Das ergäbe dann das aus den Fabeln bekannte Bild: zuunterst der Kletterer, dann ich und dann der Hund - gemeinsam arbeiten sie sich die steile Wand hoch.. Ich muss das mal als Fotoshopmontage zusammenbasteln, so dass du dir die Situation gut vorstellen kannst.. Brauche nur noch einen Hund als Modell.. Die Tour war sonst durchaus okay.. Wieder kam ich an „meiner“ Steinbockkolonie vorbei.. In der Zwischenzeit haben wir uns aber schon so sehr aneinander gewöhnt, dass wir uns kaum mit einem Blick würdigten.. Später schritt ich auch wie vor fünf Tagen durch die Rinderherde.. Viele interessante Felsformationen haben auf dieser Tour meine Aufmerksamkeit erheischt.. Auch gefiel mir der Lago Blanco sehr gut.. Am Schluss war meine Sorge wie immer, wenn ich abends noch im Binntal bin, die Frage, wie gelange ich wieder nach Hause.. Der letzte Bus verliess das Tal nämlich gegen halb sieben, das heisst eine gute Stunde vor meiner Ankunft.. Wie gut dass mich eine junge Autofahrerin bis nach Lax mitnahm! Zum Dank werde ich ihr noch Schokolade ins Binntal schicken.. Sie ist daselbst Rezeptionistin in einm Hotel und liess wissen, dass ihr Haus jetzt immer von Wanderern vollbesetz sei.. Das Binntal ist in der Tat ein wunderbares Wanderland.. Ich werde dieses Jahr bestimmt noch den einen oder anderen Gipfel im Talkessel der Alpe Veglia besteigen.. Bist du auch dabei, dann melde dich..

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  • Title: Liskamm - Bergtouren von Brigger Eugen
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  • Title: Taramona - Bergtouren von Brigger Eugen
    Descriptive info: Pizzo Taramona.. Besteigung vom Bahnhof Brig aus vom 14.. Bild in der Kapelle in Berisal.. Bortelhorn spiegelt sich im Bortelsee.. Bortelhorn links und Ganterhorn rechts.. Blick von der Militärbaracke in den Bortelsee hinab.. Bortelhorn von unterhalb des Sees aus gesehen.. Blick hinauf zum Passo die Vallaperta.. Nochmals das Bortelhorn.. Am Bortelseestrand.. Das Kraftwerkkreuz.. Der See wurde 1989 gebaut.. Packeis.. Das Furggubäumhorn mit dem vorgelagerten Spitzhörnli (nicht leicht zu besteigen!).. Die elgante Ganterbrücke.. Kreuz am See.. Monte Leone im Hintergrund.. Kanonenfutter zu Kriegszeiten - Wolfsfutter zu Friedenszeiten.. Das alte Restaurant am Schallberg.. Schnee im See.. Gipfel im Süden = Objekte der Begierde.. Hinten das Wasehorn, vorne die anderen.. In letzter Zeit habe ich nur noch alte Tourenberichte überarbeitet aber keine neuen Touren mehr unternommen.. War das eine strenge Arbeit! Heute gibt es nun endlich wieder einmal einen klickfrischen neuen Bericht.. Er handelt von einer Tour, die wir gestern unternommen haben.. Da ich aber schon so lange nicht mehr unterwegs gewesen war, bin ich jetzt so müde wie ein Waschlappen, und meine Beine schmerzen vom Muskelkater wie alter Kaugummi.. Die Tour in Stichworten: vom Bahnhof Brig zu Fuss hinauf zum Schallberg (dort gibt es ein schmuckes altes Restaurant, das nicht mehr offen ist); dann weiter Richtung imposanter Ganterbrücke; unter dieser hindurch und über grüne Matten bis Berisal; dann einem flotten Wanderweg folgend bis zur Bortelhütte; diese hinter sich lassend und hinauf zum Bortelsee; dann durch die Bortellücke hindurch und hinüber zum Pizzo Taramona; dort kurz verweilen und wieder alles zurück.. Gewöhnlich wird von Berisal hinauf zur Bortelhütte gewandert.. Einige übernachten dann dort, andere gehen mehr oder weniger flach auf den Rosswald hinüber oder zum Rotwald.. Wir schlossen bald zu einer fröhlichen Wandergruppe aus Zürich auf.. Es handelte sich um einen Frauenturnverein, der auf seinem alljährlichen Wanderwochenende unterwegs war.. Die buntgekleideten Frauen wurden von einem, und nur einem, etwas jüngeren Wanderleiter angeführt, der an diesem Tag wohl alle Hände voll zu tun hatte.. Jedenfalls verbreiteten die Frauen eine fröhliche Stimmung, die bald auch auf uns überschwappte.. So dass unsere Wanderlaune nach abgeschlossenem Überholmanöver noch bedeutend besser wurde, als sie schon war.. Für Leute aus der Deutschschweiz ist es immer wieder ein besonderes Erlebnis, auf echte Eingeborene wie unsereins zu stossen.. Ist nachvollziehbar und ging mir damals im afrikanischen Busch genau gleich.. In der Bortelhütte kehrten wir nicht ein, da wir nicht aus dem Rhythmus fallen wollten, und zogen daher gleich weiter hinauf zum Stausee.. Der See macht um diese Jahreszeit einen recht kühlen Eindruck.. Das Empfinden rührt vielleicht auch daher, weil immer noch ein paar Altschneezungen bis ins Wasser hinunterragen.. Das Wasser ist von einer tiefblauen Farbe - vielleicht ist die Farbe aber auch ultramarin - jedenfalls machte sie auf mich einen eher smaragdgrünen Eindruck.. Ich kenne mich mit den feinen Farbnamen nicht so gut aus, aber du kannst dir sicher vorstellen, was ich meine.. Vom See kann man noch eine gute Dreiviertelstunde auf gutem Weg bis zu einer alten, gut erhaltenen Militärhütte weiterwandern.. Dann wird das mit Steinsbrocken übersäte Gelände recht unübersichtlich.. Man folgt den zahlreichen Markierungen, muss aber gern von Stein zu Stein hüpfen.. Und dann erreicht man die Bortellücke, auf der sogar ein Kreuz angebracht ist.. Der Abstieg auf der anderen Seite wird weniger einfach sein.. Ich kann nicht sagen, wie er wirklich ist, weil ich auf ausgesetzten Bändern nach links hinüber traverisert habe, um so mein Tagesziel auf direktestem Weg erreichen zu können.. Später musste ich auch noch das eine oder andere Schnee- oder Restgletscherfeld traversieren.. Den Fuss des Pizzo Taramona konnte ich aber relativ leicht erreichen.. Es stellte sich mir aber schon lange vor Ankunft am Fusse des Berges die Frage, ob ich links oder rechts hoch steigen sollte.. Rechts schien der Aufstieg ohne Probleme möglich zu sein.. Links war wohl etwas Klettern in abschüssigem Gelände gefragt.. Wenn man im Gebirge und auch sonst im Leben nicht mehr weiss, wo es genau weitergeht, tut man immer  ...   rechte Zehe.. Nicht auszudenken, was mit dem Stein passiert wäre, wenn er von zuoberst auf meine Lieblingszehe gefallen wäre.. Nachdem ich diese Grenz-Erfahrung gemacht hatte, kletterte ich das eben hochgekletterte Wegstück wieder äusserst vorsichtig ab, und suchte einen Aufstieg ganz links hoch.. Dieser war dann möglich, auch wenn noch zwei-drei Kletterstellen zu überwinden waren.. Der Aufenthalt auf dem nicht sehr attracktiven Gipfel war von eher kurzer Dauer.. Mein Blick ging hinauf und hinunter zu Bergen, die ich schon bestiegen hatte, und auch zu solchen, die ich noch besteigen könnte.. In diesem Augenblick tronte ich hoch über der Alpe Veglia.. Vom nahen Bortelhorn rollten ständig grössere und kleinere Steine ins Tal hinunter.. „Alles eine Folge des schwindenden Permafrosts“ erklärte ich mir.. Auf dem Gipfel habe ich dann noch einen Tiefpreisschwur geleistet.. Ich nahm mir vor, meinen geliebten Bergen weiterhin treu zu bleiben und sagte mir: „Jetzt besteigst du bis zu deiner Pensionierung jede Woche (durchschnittlich) einen Berg vom Briger Bahnhof aus zu Tiefstpreisen, das heisst zu Fuss und damit gratis, und zwar Gipfel, die du bis anhin von dort aus noch nicht bestiegen hast!“ - Das würde doch etwas Schwung in mein an Lähmungserscheinungen leidendes Gipfelprojekt bringen.. Tat den Schwur und bereute ihn schon, weil ich nicht wusste, ob ich ihn überhaupt würde einhalten können.. War dann froh, dass ich ihn wenigstens diese Woche würde eingehalten haben.. Weiss auch nicht, wann ich schlussendlich in Pension gehe, und ob ein solches Ansinnen überhaupt sehr sinnvoll ist.. Für den Abstieg vom Pizzo Taramona wählte ich die einfachste Variante, obwohl mir die innere Stimme unablässig sagte: „Klettere doch die sicher noch nie von einem Menschen begangene und ganz bestimmt nicht begehbare Ostkante hinunter!“ Auf dem Rückweg konnte ich auch noch manch einen Steinbock beobachten.. Dort sagte mir die innere Stimme: „Fang doch einen dieser Steinböcke, nimm ihn heim und brate ihn in einer deiner Bratpfannen!“ Auch das tat ich nicht, wurde mir aber einmal mehr bewusst, dass mir die innere Stimme immer wieder recht komische Dinge sagt.. Ab der Bortellücke hatte ich wieder Handykontakt mit der Schweiz und besonders auch mit meiner Frau, die nur bis zum See hochgestiegen war, und die jetzt in der Bortelhütte bei Kuchen und Kecksen sass.. Ich würde sie anderthalb Stunden später wieder einholen.. Schon am Morgen war mir die Wolf begegnet.. Sie macht auch öfters Touren.. Das letzte Mal traf ich sie auf dem Gornergletscher, als sie gerade von einer Liskammüberschreitung zurückkam.. Heute war die Wolf auf dem Weg zum Schwarzhorn.. Interessant ist, dass die Wolf Brigitte sehr für den Wolf in der Schweiz einsteht.. Und doch irgendwie verständlich, denn sie ist eine bekannte Biologin, die auch schon ein Buch über schützenswerte Pflanzen im Wallis geschrieben hat.. Und sie war auch schon Weltmeisterin im Orientierungslauf.. Bin natürlich stolz, wenn mich so bekannte Leute wie sie schon von weitem kennen und grüssen.. Mit meiner Frau hatte ich am Morgen im Berisal abgemacht.. Nach meinem Aufstieg von Brig war nichts anders zu erwarten, als dass ich da noch etwas auf sie würde warten müssen.. Und dann fuhr sie an mit unserem Auto vollgepackt mit Joghourt, Käse, heissem Tee und vielem mehr.. Das alles hat mir dann enorm viel Kraft für den Rest der Tour gegeben.. Unglaublich der Verkehr, der zu morgendlicher Stunde auf der Simplonpassstrasse schon herrschte! Ich hatte den Eindruck, dass alle irgendwohin wollten, oder von irgendwo zurück kamen.. Ich sage dir: der reinste Osterrückreiseverkehr an einem ganz gewöhnlichen Samstag! In der dortigen Kapelle wurde später an diesem Tag auch noch geheiratet, jedenfalls war schon alles für einen farbenfrohen Start in ein romantisches Leben vorgekehrt, denn überall hingen fröhliche Ballone.. Bis am Abend war noch keiner dieser Ballone geplatzt - alle hingen sie noch wie frischer Kaugummi an den Bäumen, an den Verkehrszeichen und an den Wolken, die in der Zwischenzeit aufgekommen waren.. Andere hüpften wie Baletttänzerinnen die Strasse hinunter, wieder andere klebten irgendwo im frischen Kuhmist fest..

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  • Title: Riederbärg - Bergtouren von Brigger Eugen
    Descriptive info: Restaurant "Riederbärg", Zur Kirche, Staldenried.. Besuch vom Bahnhof Brig aus vom 12.. Wasserlache mit Berg.. Wasserlache mit Berg, gespiegelt.. Augstbordhorn und March und Stand.. Visp.. Unsere ehemaligen Reben.. Kirche Staldenried.. Essen mit den Tieren, die wir gegessen haben.. Ich habe das „Riederbärg“ vom Bahnhof Brig aus bestiegen.. Blödsinn! - Das „Riederbärg“ besteigt man nicht, man besucht es.. Es ist nämlich ein Restaurant, das sich im vorderen Vispertal, genauer in Staldenried, meinem Geburtsort, befindet.. Dort isst man gut, und trinkt man gut.. Diese „Tour“ war schon lange geplant gewesen.. Und eigentlich war sie als Abschlusstour zu meinem Projekt gedacht - so als letzte Tour mit einer Handvoll Kollegen von Brig nach Staldenried wandern und dort gediegen essen.. Nun hatte aber das ganze einen Haken, denn einerseits habe ich keine Kollegen, und andrerseits will mein Projekt einfach kein Ende nehmen.. Du musst jetzt nicht glauben, dass ich endgültig die Bodenhaftung verloren hätte, und dass ich inskünftig nur noch Gaststätten vom Bahnhof Brig aus besuchen würde, sozusagen in einem Zug, aber nicht mit dem Zug, sondern mit dem einzigen Fortbewegungsmittel, das mir der liebe Gott gegeben hat, nämlich mit meinen Füssen.. Ich werde im Gegenteil fortfahren, weiterhin alles, das sich in meiner Umgebung erhebt aber nicht bewegt zu besteigen, also Berge, Felswände, Eisfälle, seltener Hochhäuser - vielleicht auch mal ein sich bewegendes Pferd oder ein Kamel, aber sicher nicht einen Esel oder eine Kuh.. Es liegen Jahre zurück, dass ich ein Pferd bestiegen habe.. Das gleiche gilt für Kamele.. Ich bin von Brig nach Staldenried gewandert, um an einem Treffen meiner Jahrgänger teilzunehmen.. Für Leute aus anderen Erdteilen: Jahrgänger sind Personen, die im gleichen Dorf geboren und aufgewachsen, und die gleich alt sind.. Ich muss nachzählen: B, A, Ch, A, E - die Knaben unter uns -und C, Z, A, B, L, H - die Mädchen.. Wir sind demnach 11 Jahrgänger - die Zahl ist variabel, weil hin und wieder welche wegziehen und andere herziehen.. Jahrgänger sind auch schon gestorben - geboren sind seit 1954 leider keine mehr.. Der Sinn des Treffens war, ein noch viel grösseres Treffen, das nächstes Jahr stattfinden soll, zu organisieren.. Im Jahre 2014 werden nämlich alle Jahrgänger ausnahmslos sechzig jährig.. Beim Anlass ging es auch darum, eine fröhliche Miene zum bösen Spiel zu machen, weil sich nur die wenigsten auf hohe Geburtstage freuen.. Der Organisator Jahrgänger hatte mit der Bestellung eines Viergangsmenüs vorgängig dafür gesorgt, dass sich auch auf meinem Gesicht an diesem Nachmittag zweimal so etwas wie ein schwaches Lächeln zeigte.. In der Regel erstarrte mein Lächeln auch bei den lustigsten Witzen noch ehe es die Gesichtsoberfläche erreicht hatte.. Meine Schritte bis nach Staldenried waren an diesem Morgen also so etwas wie schwer - über weite Strecken war mir ungefähr so zumute wie einem, der zum eigenen Begräbnis schreitet.. In der Nacht hatte es bis ins Tal hinunter geschneit - der schöne Schnee liess die Landschaft in sanftem Zauber erscheinen.. Und so empfand auch meine Seele hier und dort einen leichten Trost.. Der Weg nach Visp und ins Vispertal hinein und nach Staldenried hinauf war so, wie er immer war.. Schlussendlich kam ich mit einer Verspätung von sechs Minuten am vereinbarten Ort an (nach Abzug der üblichen Toleranzgrenze von einer knappen halben Stunde).. Im Alter wird man hemmungsloser, denn alle begrüssten mich mit einem klatschenden Kuss.. Die Frauen dufteten wie immer zart und verführerisch – einige nach Lavendel und Jasmin, andere nach frischen Apfelblühten, nur wenige nach Zwieblen, Schnittlauch und Bohnenkraut.. In meinen Augen sind die letzteren die echten Frauen.. Man kann sie auf dem Feld und im Stall gut brauchen.. Natürlich küssen sich die Männer bei uns (noch) nicht – vielleicht dann mit 99, wenn man nicht mehr zwischen Mann und Frau unterscheiden kann.. Bei meinen männlichen Jahrgängern und Artgenossen herrschte der herbe Duft von „Russisch Leder“ vor.. Nur bei wenigen überwog ein süsser Duft von Kuhmist, Rohöl und Saaser Wurst.. Ich selber roch nach Schweiss und frischem Rehkot.. Was von den Frauen gesagt wurde, gilt auch für die Männer: die richtigen Männer sind die, welche nach echten Dingen riechen.. Zudem kommen echte Männer bei Frauen viel besser an.. Ich kam also schweissgebadet und nicht mehr ganz ofenfrisch im „Riederbärg“ an.. Jedoch machte ich einen recht abenteuerlichen, sogar leicht verwegenen, Eindruck auf meine Schulkollegen.. Schweiss und Dreck sind der Preis, den man für ein nicht ganz langweiliges Leben bezahlen muss.. Schweissgebadet war ich darum, weil ich schon in Visp realisiert hatte, dass ich zu spät am vereinbarten Ort ankommen würde.. Nicht dass mich dies geärgert hätte, ich begann mir jedoch Sorgen um die verpassten Getränke und Speisen zu machen.. Unterwegs hatte ich nur gerade zwei Jäger getroffen und jemanden von Staldenried, der natürlich schon genau wusste, wohin ich warum wollte.. Es ist halt das Buschtelefon, das hier im Wallis wie überall auf der Welt in den kleinen Orten funktioniert.. Die wollten jetzt natürlich alle wissen, ob ich tatsächlich von Brig bis Staldenried gelaufen sei.. Da ich selber an dieser gigantischen Leistung langsam zu zweifeln begann, nickte ich ständig und nur noch heftiger mit meinem Schädel.. Wo ich denn genau durchgelaufen sei, und ob man sich denn da nicht verlaufen könne, und überhaupt, ob so etwas nicht gefährlich und zudem schlecht für die Gesundheit sei? Am liebsten hätte ich die Frage mit einem alles erklärenden Man-läuft-immer-schön-der-Nase-nach abgetan.. Da ich aber grundanständig bin, habe ich mindestens jedem einmal und dem einen oder anderen zwei- oder dreimal erklärt: „Man berührt wie immer in Brig-Glis mit einer Hand das Bahnhofsgebäude, als Zeichen, dass man tatsächlich am Bahnhof gestartet ist.. Dann geht es über die dortige Rhonebrücke nach Naters hinüber.. Gleich nach der Brücke biegt man scharf nach links, also nach Osten ab, schaut, dass man dort nicht überfahren wird, und ist dann im Prinzip schon richtig eingespurt.. Recht monotonen Schrittes geht es anschliessend rund sieben Kilometer über eine schön geteerte Nebenstrasse bis zur Brücke von Lalden.. Diese überquert man elegant von Nord nach Süd und befindet sich dann auf der Kantonsstrasse, die nach Visp hineinführt.. In Visp lässt man einige Strassen links, die anderen rechts liegen, biegt in Strassen ein, die man später wieder verlässt.. Wie in Dörfern üblich gibt es in Visp recht viele Häuser.. Einige davon sind recht klein, zwei drei sehr gross, die meisten sind von einer durchschnittlichen Höhe.. Erst bei den letzten Häusern kann man das Dorf verlassen, und langsam verschwindet es hinter einem wieder.. Zu diesem Zeitpunkt befindet man sich im vorderen Vispertal.. Im Vergleich zu den hinteren Vispertälern ist das Tal hier recht weit - auf alle Fälle ist es gerade breit genug, dass man sich zwischen Talstrasse und MGB-Geleise nach Ackersand hineinzwängen kann.. Man folgt zuerst über einen guten Kilometer der orographisch rechten Talseite, wechselt dann über eine schmale Brücke auf die orographisch linke Seite.. Zum Verständnis: Wenn du in ein Tal hineinschaust, und das Wasser dir entgegenfliesst, so ist die orographisch linke Seite auf der rechten Seite und die rechte auf der linken.. Damit du dir das gut vorstellen kannst, nimmst du am besten einen Spiegel mit und schaust dir das Tal mit dem Spiegel an.. Der Spiegel verkehrt links und rechts, und alles hat wieder seine Ordnung.. Im Rhonetal habe ich den Test mit dem Spiegel nie gemacht, denn dort  ...   um einen tollen Abend zu erleben.. Als sie 40 wurden, trafen sie sich und rätselten, was sie an diesem Abend unternehmen sollten.. Sie wurden sich erst nicht einig, aber dann sagte einer: "Lasst uns doch in den Gasthof „Zum Löwen“ gehen, die Kellnerin ist scharf und trägt immer eine tief ausgeschnittene Bluse".. Gesagt, getan.. Zehn Jahre später, als sie 50 wurden, trafen sie sich wieder und rätselten erneut, was sie an diesem Abend unternehmen sollten.. Sie wurden sich zuerst wieder nicht einig, aber dann sagte einer: "Lasst uns doch in den Gasthof „Zum Löwen“ gehen, da isst man sehr gut und die Weinkarte hat ein paar edle Tröpfchen zu bieten!" Gesagt, getan.. Zehn Jahre später, als sie 60 wurden, trafen sie sich wieder und rätselten erneut, was sie an diesem Abend unternehmen sollten.. Sie wurden sich zuerst wieder nicht einig, aber dann sagte einer: "Lasst uns doch in den Gasthof „Zum Löwen“ gehen, da ist es ruhig und es wird nicht geraucht!" Gesagt getan.. Zehn Jahre später, als sie 70 wurden, trafen sie sich wieder und rätselten erneut, was sie an diesem Abend unternehmen sollten.. Sie wurden sich zuerst wieder nicht einig, aber dann sagte einer: "Lasst uns doch in den Gasthof „Zum Löwen“ gehen, da ist alles rollstuhlgängig und es gibt einen Lift!" Gesagt getan.. Kürzlich sind sie 80 geworden, trafen sich wieder und rätselten erneut, was sie an diesem Abend unternehmen sollten.. Sie wurden sich zuerst wieder nicht einig, aber dann sagte einer: "Lasst uns doch in den Gasthof „Zum Löwen“ gehen".. Da sagte ein anderer: "Gute Idee, da waren wir noch nie!".. (in dieser Form aus.. http://lustich.. de.. übernommen).. Sehr traurig, dieser Witz, aber so ist halt das Leben.. An unseren Treffen war es so, dass jahrelang immer über die Kinder geredet wurde.. Es gab wahre Wortgefechte, wer nun die besseren, intelligenteren oder schöneren hatte.. Einige prahlten auch mit der Kinderzahl.. Für mich waren die Diskussionen immer etwas peinlich, da ich selber keine Kinder hatte.. In den letzten Jahren wird nicht mehr über Kinder geredet.. Einige werden wohl schon bald nicht mehr wissen, dass sie welche haben.. Die Kinder sind von den Handys abgelöst worden.. Etwas peinlich für mich wieder, da ich mein Handy schon seit Jahren nur als Wecker oder dann auf einsamen Touren verwende.. Einer oder eine berichtete diesmal darüber, dass er oder sie schon einen Ruhestandsvorbereitungskurs gemacht habe.. Dort sei ihnen eingetrichtert worden, dass man ab einem gewissen Alter darauf aufpassen müsse, noch genug Vitamin D zu bilden.. Es sei darum empfohlen, möglichst den ganzen Körper während mindestens zwanzig Minuten jeden Tag von der prallen Sonne bescheinen zu lassen.. Den Rat beherzigend, haben sich einige schon fast sämtliche Kopf- und Körperhaare entfernen lassen.. Und jetzt noch die versprochene Anekdote, die schon jahre- und jahrzehntelang in immer wieder neuen Varianten weitererzählt wird.. Ich bin der einzige, der die wahre Geschichte kennt, weil ich am direktesten betroffen war.. Es war vor ein paar Jahrzehnten.. Wir waren in Deutschland, im Raum Koblenz-Rüdesheim unterwegs.. Süss schmeckte dort der Wein, und auch die Speisen waren süss.. Die meiste Zeit verbrachten wir im Privatbus mit bezahltem Fahrer, den die besuchten Länder sind von Staldenried weit abgelegen.. Wir waren noch jung und unerfahren.. An einem Abend wagte es der Chauffeur, uns in der Stadt frei herumlaufen zu lassen.. Die Gewecktesten und Schlausten unter uns hatten die Örtlichkeit schnell ausgemacht, und so verschwanden wir einer Ameisenkolonne gleich in einem Lokal, in dem Filme dargeboten wurden, wie sie die meisten von uns noch nie gesehen hatten.. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, waren die Filme irgendwie monoton.. Die Szene war praktisch immer die gleiche.. Stell dir einen Tennismatch vor, dann weisst du, was ich meine.. Der Ball wird hin geschossen, dann wieder zurück, hin und wieder zurück, hin und wieder zurück, … Dies mit grosser Ausdauer und Hingabe – stundenlang, kam mir vor.. Es war nicht einmal ein richtiger Tennismatch, denn keiner wollte den anderen bezwingen.. Sie spielten so, wie wir damals vor dem „Brigger-Stock“ in Staldenried Federball gespielt hatten.. Wir wollten es möglichst lange können, ohne dass der Federball zu Boden fiel.. Rekord war, glaube ich, so 234 Schläge.. Der Film war so ähnlich langweilig wie Fussball: der Ball dringt ins Tor ein und wird gleich wieder herausgeholt, er fällt wieder ins Tor und wird wieder herausgeholt, und dies x-mal, immer rein, raus.. Am Schluss ist der Zuschauer gleich weit wie am Anfang.. Die Spieler sind schweissgebadet und gehen duschen.. Nach ungefähr fünfundvierzig Minuten hatte ich genug vom Spiel.. Irgendwie verspürte ich jetzt Lust auf eine braungebrannte Kalbsbratwurst mit möglichst viel Senf drauf.. Und so begab ich mich in der Stadt auf die Suche nach einer ebensolchen Wurst.. Leider verlor ich mich im Strassengewirr der Grossstadt bald einmal.. Dies war meinen Jahrgangskollegen in keinster Weise aufgefallen, weil sie nach wie vor derart vom monotonen Sport und Spiel gefesselt waren, dass sie nicht einmal den Weltuntergang hätten kommen sehen.. Ich weiss nicht, wie viele Runden sie dem Spiel noch beiwohnten, jedenfalls verprassten sie das ganze Geld, das ihnen ihre Eltern für solche und ähnliche Unterhaltungen mitgegeben hatten.. Am Schluss der Vorführung erbleichten nicht nur die Schauspieler sondern auch meine Kollegen, weil ich in der grossen Stadt nicht wiederzufinden war.. Ich wurde sogar recht intensiv gesucht.. Hätten sie ein wenig überlegt, hätten sie mich sicher eher gefunden, denn bei freiem Ausgang halte ich mich gewöhnlich am liebsten in irgendeiner Kirche auf.. Der Schock nach diesem Erlebnis, sass uns allen noch lange in den Knochen, so dass wir auf der Heimfahrt und in den folgenden Jahren des beginnenden Erwachsenseins nur noch Lieder sangen, wie sie uns damals von unserer Lehrerin Luzia beigebracht worden war.. Hier ein paar Lieder zum gemeinsamen Singen für fröhliche Stunden:.. Hänschen klein.. Ging allein.. In die weite Welt hinein.. Stock und Hut.. Steht ihm gut,.. Ist gar wohlgemut.. Doch die Mutter weinet sehr,.. Hat ja nun kein Hänschen mehr!.. „Wünsch dir Glück!“.. Sagt ihr Blick,.. „Kehr’ nur bald zurück!“.. Sieben Jahr.. Trüb und klar.. Hänschen in der Fremde war.. Da besinnt.. Sich das Kind,.. Eilt nach Haus geschwind.. Doch nun ist’s kein Hänschen mehr.. Nein, ein großer Hans ist er.. Braun gebrannt.. Stirn und Hand.. Wird er wohl erkannt?.. Eins, zwei, drei.. Geh’n vorbei,.. Wissen nicht, wer das wohl sei.. Schwester spricht:.. „Welch Gesicht?“.. Kennt den Bruder nicht.. Kommt daher sein Mütterlein,.. Schaut ihm kaum ins Aug hinein,.. Ruft sie schon:.. „Hans, mein Sohn!.. Grüss dich Gott, mein Sohn!“.. Weisst du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt ?.. Weisst du, wieviel Wolken gehen weit hinüber alle Welt ?.. Gott, der Herr, hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet.. an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl.. Weisst du, wieviel Mücklein spielen in der heißen Sonnenglut,.. wieviel Fischlein auch sich kühlen in der hellen Wasserflut ?.. Gott, der Herr, rief sie beim Namen, dass sie all ins Leben kamen,.. dass sie nun so fröhlich sind, dass sie nun so fröhlich sind.. Weisst du, wieviel Kindlein frühe stehn aus ihren Betten auf,.. dass sie ohne Sorg und Mühe fröhlich sind im Tageslauf ?.. Gott im Himmel hat an allen seine Lust, sein Wohlgefallen,.. kennt auch dich und hat dich lieb, kennt auch dich und hat dich lieb..

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