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    Archived pages: 48 . Archive date: 2014-02.

  • Title: Andrea Grill
    Descriptive info: .. ANDREA GRILL.. HOME.. News/dates.. Books.. Translations.. Texts.. Links.. Vistors' Comments.. CONTACT.. Café M.. This is my digital habitat.. Feel free to leave a note in the comments' section.. Latest update.. : 23rd of December 2013.. Safari, Innere Wildnis.. Neuerscheinung.. Otto Müller Verlag Frühling 2014.. of all texts and material: Andrea Grill.. Design Service: Ursula Grill.. Sonntag.. Mache jetzt gern was ich nie  ...   deiner Stirn,.. die wir noch nie gesehen hatten.. eine nach der anderen.. räkeln sich Hosen auf der Leine,.. da zwischen meinen Beinen läuft.. ein winziger Achtfüßler und.. kommt davon.. kommt das davon.. streiche mit dem Eisen runde.. Fruchtscheiben glatt auf die Stoffe.. spalte Zitronen.. mit einem unendlich.. brauchbaren Werkzeug;.. wie meine Mutter bin ich.. in der Früh schon.. draußen gewesen und außer mir..

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  • Title: Andrea Grill - News/dates
    Descriptive info: Veranstaltungen.. News.. Safari in the City.. erschienen in Die Presse am 20.. Juli 2013.. Wie alt ist Albanien.. erschienen in Der Standard am 23.. November 2012.. Seestadt Blog, Stadtschreiber Aspern.. Artikel: Wem der Mund noch warm ist.. erschienen in Die Presse am 29.. Jänner 2011.. Andrea Grill erhält den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis.. Essay: Streets for walking.. erschienen in Eurozine am 9.. Juni 2010.. Artikel: Held der Geschichte.. erschienen in Album - Der Standard am 12..  ...   2010.. Präsentation des Kulturreports 2010 auf der Leipziger Buchmesse.. Artikel: Von unten nach oben nach unten.. erschienen in Die Presse am 27.. März 2010.. Interview mit Visar Zhiti.. Artikel:Grenzen der Beziehung.. erschienen in Album - Der Standard am 20.. Februar 2009.. Artikel: Unterwegs mit Schriftstellern.. erschienen in Die Presse am 23.. November 2008.. Rezension: Tränenlachen.. von Roland Steiner für das Literaturhaus Wien.. Artikel: Der Himmel kann warten.. erschienen in Der Standard am 9.. Artikel: Mogel.. Mai 2008..

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  • Title: Andrea Grill - Books
    Descriptive info: Books.. aspern.. Reise in eine mögliche Stadt.. Thomas Ballhausen, Andrea Grill, Hanno Millesi.. Falter Verlag September 2013.. Liebesmaschine N.. Y.. C.. : Storys.. Eine Wienerin in New York City.. Otto Müller Verlag 2012.. Happy Bastards.. Gedichte.. Otto Müller Verlag 2011.. Das Schöne und das Notwendige.. Roman.. Otto Müller Verlag 2010.. Auf nach Salzburg.. Sachbuch.. Verborgenes.. Skurriles.. Kulinarisches.. Folio Verlag 2011.. Tränenlachen.. Otto Müller Verlag 2008.. Zweischritt.. Otto Müller Verlag 2007.. Der gelbe Onkel.. Ein Familienalbum.. Otto Müller Verlag 2005..

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  • Title: Andrea Grill - Translations
    Descriptive info: TRANSLATIONS of texts from Andrea Grill:.. The brother.. (by Jim Adams).. El tío amarillo.. (de Mónica Kuhlmann Zamora).. ---.. TRANSLATIONS by Andrea Grill.. From Albanian:.. To Dutch/English.. To German from.. MIMOZA AHMETI.. Scheidung in Seegasse 21, Literatur und Kritik 439-40:68-73.. ALBANA SHALA.. LULJETA LLESHANAKU.. DRITA COMO..

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  • Title: Andrea Grill - Texts
    Descriptive info: Texts.. Essays.. Stories.. Poetry..

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  • Title: Andrea Grill - Links
    Descriptive info: Links.. Bachmannpreis 2007.. Otto Müller Verlag..

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  • Title: Andrea Grill - Contact
    Descriptive info: Contact.. Andrea Grill.. e-mail:.. zephyrblue@gmail.. com.. Photo: L.. E.. L.. Raijmann..

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  • Title: Übersetzung - Scheidung in Seegasse 21
    Descriptive info: Interview mit Visar Zhiti.. Der albanische Schriftsteller Visar Zhiti war sechsundzwanzig Jahre alt, als er plötzlich auf offener Strasse verhaftet wurde.. Grund für seine Festnahme war unter anderem ein Gedicht mit dem Titel „Die zweite Sonne“.. Das Verlangen nach einer anderen Sonne wurde von den staatlichen Anklägern als Ruf nach einem Wechsel des politischen Systems interpretiert, und trug dem Dichter Gefängnis, Arbeitslager und Schreibverbot ein.. Gespräch und Übersetzung: Andrea Grill.. Wann haben Sie zum ersten Mal den Wunsch verspürt zu schreiben, Herr Zhiti?.. Sehr früh, schon als Kind.. Ich habe geträumt.. Auch die Kritzeleien, die wir an den Mauern machen, sind ein Ausdruck des Wunsches, zu schreiben, sind verlorene Gedichte.. Mein erstes Gedicht habe ich im Alter von 15 Jahren veröffentlicht.. Wie haben Sie die Schule/Universität ausgewählt, die Sie absolvierten?.. Wir hatten kein Recht uns etwas auszusuchen.. Das erledigte der Parteistaat für uns wie es ihm passte.. Ich gehörte zu einer Familie, die nichts von der Kommunistischen Partei hielt, die damals die einzige Partei Albaniens war; aber auch die Partei hielt nichts von uns.. Mein Vater war im Gefängnis, er konnte weder seine Gedichte noch seine Komödien veröffentlichen.. Den Bruder meines Vaters haben sie umgebracht, und auch einen zweiten Onkel, weil er angeblich Nationalist war und Gegner des Regimes.. Meine Brüder durften nicht an die Universität.. Ich hatte Glück und erwischte ein kleines Tauwetter im Klassenkampf.. Sie schickten mich nach Shkodra, in den Norden Albaniens, wo ich albanische Sprache und Literatur studierte.. Eigentlich hätte ich nach dem Studium einfach ein Dorflehrer werden sollen.. Von der Weltliteratur kannte man damals fast nichts, vor allem nicht von der zeitgenössischen.. Man schimpfte darüber.. Und auch ein Teil der albanischen Literatur war verboten.. Nur, was dem sozialistischen Realismus entsprach, war erlaubt, also lang verstorbene sowjetische Schriftsteller und später chinesische.. Lebende Schriftsteller stellten immer eine Gefahr dar.. Sie waren 10 Jahre im Gefängnis.. Was waren das für Gedichte, wegen derer Sie verurteilt wurden? Welche Motive kamen darin vor? Waren die Gedichte bereits veröffentlicht, als Sie verurteilt wurden?.. Ja, man hat mich wegen meiner Gedichte zu 10 Jahren schwerem Gefängnis verurteilt.. Das waren keine Traktate, die den Untergang des Regimes verlangten, sie beschrieben einfach die Realität.. Ich suchte nach dem Ursprung des Schmerzes, der menschlichen Traurigkeit, wollte dem Leiden, aber auch der Hoffnung auf die Spur kommen.. Ich schrieb auch über mich selbst, mit Metaphern, in der Sprache Äsops, ich suchte nach einem besseren Leben, nach Öffnung, nach Humanismus, Freiheit, alles, von dem ich glaubte, Poesie müsse das suchen.. Ich wollte keine Gegenpolitik betreiben.. Es gelang mir, ein paar Gedichte in Zeitungen und den wichtigsten literarischen Zeitschriften zu veröffentlichen.. Im kleinen Albanien führte das dazu, dass man mich kannte, im Viertel, in der Stadt, in anderen Städten.. Aber auch die Geheimpolizei kannte mich.. Als Student ordnete ich meine Gedichte dann zu einem Band, den ich unter dem Titel „Rhapsodie des Lebens der Rosen“ veröffentlichen wollte, und schickte ihn an den einzigen Verlag, den es gab, ein staatlicher.. Er trug den Namen unseres Nationaldichters „Naim Frashëri“, selbst dieser Dichter wurde aber nur zensuriert veröffentlicht.. Mein Buch wurde nie veröffentlicht, es ist verloren gegangen.. Es wurde als staatsfeindlich beurteilt, und – damals die übliche Vorgangsweise – man benachrichtigte das Zentralkomitee der Partei und das Innenministerium.. So wurde aktenkundig, dass man mich überwachen und schließlich verurteilen musste.. Wer bestimmte, welche Gedichte „gut“ waren und welche „Agitation und Propaganda“? Gab es da Literaturwissenschaftler oder Experten?.. Das bestimmte der Staat, seine Organisationen, sogar das Gericht.. Diese Institutionen wurden von den Redakteuren des Staatsverlages benachrichtigt.. Sie holten sich auch bekannte Literaturkritiker zu Hilfe, Schriftsteller des sozialistischen Realismus, die wiederum von der Partei, dem Staat und der albanischen Schriftsteller- und Künstlervereinigung ausgewählt wurden.. Die urteilten vor allem nach ideologischen und politischen Gesichtspunkten, und erst in zweiter Linie nach literarischen, und schickten dann eine schriftliche Information, ob das Werk „taugte“ oder „nicht taugte“.. Ob man das Buch verurteilen musste, oder den Autor, oder beides.. In Albanien wurden Schriftsteller ins Gefängnis geworfen, erschossen, umgebracht, sogar ihre Gräber waren verurteilt.. Wie haben Sie erfahren, dass die Gedichte, die Sie geschrieben hatten „problematisch“ waren? Wurden Sie sofort verhaftet? Oder hatten Sie die Möglichkeit, sich zu verteidigen, zum Beispiel durch Umschreiben der besagten Gedichte? Durften Sie den Versuch machen, sie auf „passendere“ Weise zu veröffentlichen?.. Dem Ritual folgend bekam ich eine schriftliche Verständigung, dass meine Gedichte dunkel waren, pessimistisch, ohne Enthusiasmus, bourgeois-revisionistisch, also voll schwerer Fehler in der Konstruktion, einfach falsch.. Ich weiß nicht, warum ich mich darauf einließ, ich überarbeitete sie, gab noch ein paar andere dazu und schickte sie nochmals hin.. Aber den Spezialisten zufolge waren sie noch schlimmer geworden.. Man verhaftete mich ganz unerwartet, mitten auf der Strasse, legte mir Handschellen an.. Man sagte mir nicht warum,  ...   später veröffentlicht habe.. Im Gefängnis haben wir den illegalen Leser erfunden, und die Gefängnisliteratur, die heute, glaube ich, eine große Veränderung in der albanischen Literatur zu Wege gebracht hat.. Sie hat Wahrheit gebracht und Moral, Werte die, wie ich glaube, für die Literatur wichtig sind.. Konnte Ihre Familie Sie besuchen.. ?.. Den Regeln zufolge nur zwei Mal im Monat, für ungefähr 15 Minuten.. Es gab auch längere Besuche, aber die musste man extra beantragen.. Die Gefängnisse waren weit weg, mitten in den Bergen, die Straßen voll Schlamm oder Schnee, und daher kamen die Verwandten höchstens alle 2-3 Monate oder einmal im Jahr.. Es kam auch vor, dass sie gar nicht wussten, ob wir noch lebten, und wir nicht wussten, ob sie noch lebten.. Wo haben Sie gelebt, als Sie verhaftet wurden? Hat Ihre Familie nach Ihrer Verhaftung Probleme bekommen?.. Ich lebte weit weg von zuhause, eigentlich relativ nahe beim Gefängnis, in einem Dorf im Bezirk Kukës, an der Grenze zum Kosovo.. Aber dort hinüber durfte man schon gar nicht schauen.. Nicht einmal die Wolken außerhalb der Grenzen der Sozialistischen Volksrepublik Albanien durfte man loben, wenn sie einem hübsch erschienen.. Meinen Brüdern hat man die ärgsten Arbeiten zugeteilt.. Der eine arbeitete in einer staatlichen Fabrik, die Äxte herstellte, und der andere produzierte Beton für die Bunker.. In Albanien wurden rund 70 000 Bunker gebaut, die man überall aufstellte, am Strand, in den Bergen, an Straßenecken und sogar in den Geschäften.. Es gab genug Bunker für alle Albaner.. Nur je zwei oder drei Personen kamen auf einen Bunker.. Und gleichzeitig gab es Familien, die fast obdachlos waren, in winzigen Wohnungen lebten.. Heute sind die Bunker zu nichts mehr gut.. Sie verfallen, auch in der Erinnerung.. Wann sind Sie aus dem Gefängnis gekommen, und wie ging ihr Leben danach weiter?.. Ich kam nach dem Tod des Diktators heraus.. Die Berliner Mauer stand noch.. Ich kam frei, war aber nicht frei.. Die Geheimpolizei verfolgte mich, versuchte, mich zur Zusammenarbeit zu überreden, mich zu erpressen, indem sie mir sagten, dass sie mich wieder ins Gefängnis stecken würden.. Jetzt bin ich froh, dass ich die Kraft hatte, das entschieden abzulehnen.. Ich fühlte mich vereinsamt und verraten, ohne Perspektiven, und gleichzeitig hatte ich eine sehr anstrengende Arbeit.. Trotzdem fand ich auf wundersame Weise Zeit, zu lesen, und die Bücher wurden schwarz von meinen Fingern, weil da immer Erde dran klebte.. Ich schreib weiterhin Gedichte, aber auch Prosa.. Das Ganze vergrub ich, zusammen mit den Gedichten, die ich aus dem Gefängnis geschmuggelt hatte, im Boden.. Also wieder wie ein Gefangener.. Meine Schwester hatte ein Haus und einen Garten mit Bäumen.. Wir wussten, die Bäume würden uns nicht verraten.. Wissen Sie, wer Sie angeklagt hat? Haben Sie diese Leute später noch einmal wieder getroffen? Oder die Wachposten aus dem Gefängnis? Nachdem Albanien so klein ist, wie Sie sagen, kann ich mir vorstellen, dass das gut möglich ist.. Die Partei, der Staat waren die Ankläger, und ich weiß, wen sie dazu benützt haben, um den Anklageakt vorzubereiten, einen mittelmäßigen Kunstkritiker und einen noch mittelmäßigeren Dichter.. Ich habe sie getroffen.. Vor Gericht schleppten sie auch drei, vier Lehrer als Zeugen an, mit denen ich im Dorf gearbeitet hatte.. Ich habe auch Wachpersonal aus dem Gefängnis getroffen, habe sogar mit ihnen Kaffee getrunken.. Für die Tochter des einen habe ich ein Vorwort geschrieben, als sie ihren ersten Gedichtband herausbrachte.. In meinem Albanien bittet niemand um Vergebung und niemand zeigt Reue, aber wir sind alle gleich stolz: der Verfolger, weil er verfolgt hat, der Verfolgte, weil er verfolgt wurde.. Wir prahlen mit unserem Elend.. Wo leben Sie jetzt? Arbeiten Sie als Schriftsteller oder haben Sie noch eine andere Beschäftigung?.. Ich lebe in Rom, mit meiner Frau und meinem Sohn.. Ich arbeite an der albanischen Botschaft.. Als Schriftsteller kann man nicht überleben, aber ich würde es gerne.. Ein albanischer Schriftsteller trägt, auch wenn er aus dem Gefängnis herauskommt, weiterhin seine Zelle auf der Schulter, wie ein Lastenträger seine Kiste.. Aber die Veränderung nach dem Fall der Mauer war groß.. So groß, wie wir es uns nicht einmal zu erträumen gewagt hätten.. Ich kam aus einer Hölle, die schlimmer war als die Dantes.. Und jetzt bin ich frei, in zwei dantesken Heimaten, einer irdischen und der des Traumes, der Poesie.. Visar Zhiti wurde 1952 in der Küstenstadt Durrës als Sohn des Schauspielers und Lyrikers Hekuran Zhiti geboren.. Er veröffentlicht Lyrik, Prosa und Essays und lebt heute in Rom.. Sein 2004 erschienener und bisher bedeutendster Roman „Gott rückwärts und seine Geliebte“ spielt teilweise in Wien.. Der Freund des Erzählers Felix ist Österreicher, genauer gesagt Wiener, und Fotograf.. Die österreichische Schriftstellerin Andrea Grill veröffentlichte letztes Jahr im Otto Müller Verlag den Roman „Tränenlachen“, die Geschichte eines Albaners mit österreichischen Wurzeln..

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  • Title: Tränenlachen - Auszug
    Descriptive info: TRÄNENLACHEN.. Auszug.. Wie du mich also deiner Großmutter vorgestellt hast, den Großtanten, deinem Großvater Galip nicht zuletzt, da habe ich deinen Stolz gespürt.. Den Stolz, etwas mitgebracht zu haben, ein Geschenk für die Daheimgebliebenen.. Ein ganz nettes Geschenk, es konnte auch reden.. Sie kann schon Albanisch, hast du gesagt, und dann durfte ich zehn Mal am Tag meinen Satz sagen: Die Katze ist grün,.. Macja është jeshile.. Das soll nicht klingen, als wäre ich böse.. Das bin ich nicht.. Ganz im Gegenteil, ich habe es genossen.. Der Satz ist einer meiner Lieblingssätze geworden.. Ein Satz, der ein Leben zusammenfasst.. Einer der besten Sätze, die ich jemals gesagt habe.. Der beste erste Satz in einer neuen Sprache, ganz bestimmt.. Deine Verwandten haben gelacht, mich geküsst, auf die Wangen, die Stirn, mir in die Backen gezwickt, ich sei so gesund und hätte so lange Beine.. Der Tisch mit den aufgeschnittenen Wassermelonen wurde nie leer.. Eins nach dem anderen trugen die Tanten neue Teller auf, gefüllt mit Essen.. Eure Großzügigkeit, eure Gastfreundschaft, die müsste man in einen Tiergarten stecken, hinter Gitterstäben vor der anstürmenden Menge beschützen, mit einem überdimensionalen Schild davor: Vom Aussterben bedroht.. (…).. Hier ist die Nacht noch dunkel, sind die Straßen nicht beleuchtet.. Ein Herr im grauen Anzug läuft am Rand der Autobahn Richtung Tirana.. Hinter der nächsten Kurve steht ein neonrot erleuchtetes Kreuz zwischen den Bäumen.. Dieses Kreuz hat es vor zwölf Jahren, als ich zum ersten Mal in die Gegend kam, noch nicht gegeben.. Auf einmal bricht die Straße ab.. Instandhaltungsarbeiten, ruft mir ein Polizist, der das Ende der Straße mit seinen Armen markiert, die Handflächen als Stopp hinhält, durchs Autofenster zu.. Um weiterfahren zu können, muss ich warten, bis die Teerarbeiten vollendet sind.. Ich warte.. Der weiße Mercedes vor mir hat einen deutschen Aufkleber „Sicher zur Arbeit,  ...   wäre, handelte es sich um eine natürliche Pflanze.. Die Sonnenblume singt unbeirrt weiter.. Sie schneidet ihr den Stiel durch.. Die Plüschblüte fällt auf den Tresen, zwischen schmutzige Tassen und Löffel.. Zwischen acht und neun Uhr abends ist in Tirana jeder beim „Taiwanesen“, ein kürzlich eröffneter moderner Restaurant-Café-Komplex, in dem die Toiletten ununterbrochen von weißbeschürzten, Gummihandschuhe tragenden, gut gekämmten Mädchen gesäubert werden, obwohl sie glänzen, wie ich selten Fliesen glänzen habe sehen.. Der Taiwanese hat seinen Namen von einem chinesischen Restaurant, das sich früher einmal hier befunden hat.. Obwohl im jetzigen Bauwerk alles serviert wird, nur bestimmt kein Gericht aus Taiwan, dient die Bezeichnung noch immer als einzig untrüglicher Code, einem Einheimischen besagten Ort zu beschreiben.. Der Taiwanese liegt unter einer blauen Kuppel neben einem in allen Farben Wasser speienden Brunnen.. Zwischen den Häusern dahinter öffnet sich ein freier Platz, der jetzt, am frühen Abend, voll besetzt ist mit kaffeetrinkenden Menschen.. Es ist der Treffpunkt, den ich mit Galips Cousin ausgemacht habe.. Seitlich in den Bänken lehnen Jugendliche, reden nichts, spielen mit ihren Mobiltelefonen, trinken Kaffee.. Sobald ein Tisch frei wird, eilen sofort neue Kaffeetrinker hin.. Sie warten am Rand der gepflasterten Fläche, auf der die Sessel und Tischchen stehen, in der Wiese, oder am Rand des Springbrunnens.. Ich eile auch und bestelle zwei Kaffee.. Der zweite ist für Galips Cousin, auf den ich warte.. Serviert werden Getränke, die wir kleine Schwarze nennen würden.. Der eine ist fast doppelt so groß wie der andere.. Als ich nach einem Glas Wasser frage, wirft der Kellner verneinend den Kopf in den Nacken.. Es gibt gerade kein Leitungswasser.. In den meisten Häusern Tiranas rinnt das Leitungswasser nur zu gewissen, festgesetzten Tageszeiten.. Die ganze Nacht und den Großteil des Tages über gibt es nur Wasser aus den Reservoirs auf den Dächern.. Neue Badezimmer haben alle..

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  • Title: Unbenanntes Dokument
    Descriptive info: ZWEISCHRITT (Seite 70 ff.. ).. Wir hatten beide einen Hund.. Seiner war braun und besaß ein weiches Fell und eine feuchte Schnauze.. Meiner war blau und aus Plastik.. Der seine war groß genug, die Schnauze auf die Platte eines Tisches zu legen.. Meiner passte ins Innere eines Eies.. Tatsächlich kam er aus einem Ei.. Das Ei war aus Schokolade und ich hatte es zusammen mit zwei anderen Eiern gekauft, als ich einmal einige Leute zu mir nach Hause einlud.. Zwei von ihnen hatten Kinder, und die Eier mit der Überraschung darin sollten sie eine Weile beschäftigen.. Das dritte Ei war als Reserve gedacht, falls unerwartet ein weiteres Kind auftauchen sollte, oder als Scherz für einen der übrigen Besucher, falls es sich ergab.. Das Fest war aber anders verlaufen.. Es war ein Fest ohne Gäste.. Auf dem Tisch standen fünfzehn leuchtend blaue Gläser, drei Schüsseln mit Knabbereien, ein Kuchen, zwei Salate, belegte Brote, genug Nahrung für mehr als zwanzig Besucher.. Niemand kam.. Ich setzte mich und las.. Langsam schenkte ich mir in eines der Gläser etwas Weißwein nach.. Nach ein paar Stunden kamen die beiden mit den Kindern.. Die zwei Kleinen fraßen ihre Eier im Nu, bauten zusammen, was sie darin fanden, waren erst schüchtern, dann fröhlich, und als sie gingen, stahlen sie mir einen kleinen König aus Plastik, der auf der Heizung gestanden hatte, und zwei winzige Flugzeuge aus der Küche.. Die Konversation mit Objekten ist eine eigenartige Sache.. Jeder weiß, ein Ding ist ein Ding – in bestimmten unverrückbaren Kombinationen angeordnete Materieteilchen.. Und obwohl jeder das weiß, hat jeder bestimmte Dinge, die ihm wichtig sind, so wichtig, dass er weinen würde, nähme man sie ihm weg oder zerstörte sie gar.. So stark ist das Gefühl für gewisse Gegenstände, dass es auslöst, was unter Umständen nicht einmal der Tod eines Freundes zuwege bringt.. Der Wert dieser Objekte ist für das Ausmaß der Zuneigung – denn wie anders soll ich es nennen – die wir ihnen gewähren, zweitrangig.. Ein Gegenstand, ein Stück Holz, Metall, Stein, erwacht zum Leben.. Ein Stück Plastik verwandelt sich in einen Freund.. Der blaue Hund nahm mich an der Hand und führte mich  ...   ihres Lebens, und sie verpflichtet jede einzelne davon mit maximaler Energie zu nützen.. Sie saßen locker, wenn es gut ging, die Glieder strotzend vor Entspannung.. In dieser Hinsicht glichen sie Tieren, warmen, weichen.. Der Bub zum Beispiel, den ich kürzlich im Zug beobachtete.. Er konnte gerade seinen Namen schreiben und brachte ihn auf allem Beschreibbaren an, das er im Abteil fand.. F-r-a-n-c-e-s-c-o.. Auf den Zugtickets seiner Mutter, Prospekten, Zeitungen.. Francesco.. Er plauderte unentwegt, während er schrieb.. Erzählte von einer Werbesendung, die er im Fernsehen gesehen hatte.. Von einem Mann, der ein Weckerl aß.. Ein anderer Mann kam und biss ihn in den Arm.. Der Bub definierte die Objekte seiner Erzählung genau, präzisierte, wer der andere war und wer der eine und wie der sich um seine Achse gedreht hatte, als der andere ihn biss.. Nicht wie einer eine Runde macht nämlich, keine Drehung eines Spaziergangs, nein, um die eigene Achse drehte er sich, wie ein Kreisel.. Was mir an Kindern gefiel und was ich gerne mit ihnen gemeinsam gehabt hätte, war diese vollständige Verinnerlichung jeder Aktivität, der sie nachgingen.. Nichts taten sie halb, weil sie sich verpflichtet fühlten, einen Schein zu wahren.. Echte Kinder taten, was sie brauchten, wozu sie Lust hatten, und mit vollem Einsatz.. Moors Hund musste hinaus, denn er war nicht aus Plastik.. Er hasse es, zu Fuß zu gehen, täte es nur dem Hund zuliebe, erklärte er beiläufig.. Das Gehen langweile ihn.. Als Kind hatte er sich gewünscht, es möge neben den Gehsteigen wassergefüllte Bahnen geben, in denen man schwimmen durfte, wenn man nicht laufen wollte.. Ich hatte mir als Kind gewünscht ein Indianer zu sein.. Ich war ein Indianer gewesen.. Ich saß in den Bäumen, wie ein Eichhorn, und schaute auf die „gewöhnlichen“ Menschen hinunter, ohne dass sie mich sahen.. Sie waren meine Feinde.. Ich legte mir Vorräte aus Eicheln, Nussschalen, Steinen und Moos an und versteckte sie an bestimmten Orten in hohlen Stämmen.. Manchmal fand ich sie später nicht wieder.. Dann ging ich davon aus, dass Feinde sie mir geklaut hatten.. Manchmal besaß ich einen Schatz und vergrub ihn.. Die Schätze stahlen die Feinde nie.. Sie waren zu gut versteckt..

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  • Title: Unbenanntes Dokument
    Descriptive info: Andrea Grill.. He wished children simply grew on trees, he said.. That would be the best, both for the children and for the parents.. Then nobody would be bothered by them.. And when they grew up, they’d simply drop to the ground like ripe pears, and proceed from there.. Since parents wouldn’t know which tree their children would fall from, they’d look after all the trees, water them, occasionally manure them, and pluck out the surrounding weeds.. The children, not knowing who their parents were, would not feel obliged, their whole lives long, to call them, to visit them, to eat their cakes, to drink their soups, to eat their cooked meats, to pick up the phone when mother calls, to let father in when he knocks on the door, even though they intruded more than any stranger whose face had nothing to do with theirs.. If he were a fruit from a tree he would feel better, he said.. It would suit him just fine; in any case, most of the time he felt like a piece of broccoli, or better, like a spinach leaf: a limp, green thing that simply hung around and did nothing.. Nothing, that is, that made any sense; at least nothing that was new, or that was very different, or that would change the world.. When he woke up, he decided immediately not to get up, otherwise he’d have to face an even more protracted, long, empty day unduly lengthened by the morning hours.. Around midday, he would then get up and contemplate what he might do next.. He could write something, he could draw something, he could read, he could do some calculations and analyse his data on the micro-structure of snail-shells – since he was a scientist, a natural scientist to be precise.. And everything struck him as equally meaningless.. He couldn’t decide whether one thing was more important than the other, and so concluded that everything must be equally unimportant.. Whether he did something or did nothing, it all amounted to the same in the end.. It seemed to him that any goal whatsoever was devoid of importance.. When he pondered the matter at length, he would soon find the goal behind him, even before embarking on the work required to reach it.. He would arrive at the.. aftermath.. of the desired goal before the beginning, and again find that nothing had changed, so that the goal couldn’t have been worth striving for.. Since his thinking seemed to me entirely logical and persuasive, I advised him simply to do nothing and thus become famous as the world’s only inactive person.. He said he would gladly follow that course if there weren’t always and everywhere so many people asking him what he intended to do, what his plans were and how he saw his future.. Questions like that constantly threw him off balance, daily disrupting afresh his quest to do nothing; particularly when asked by his mother since she, he couldn’t escape.. “If I had grown on a tree, I’d simply be able to install another telephone and never give her the number,” he said.. “My mother is my biggest problem,” he said; though at the same time he knew, as I did, that he himself was his biggest problem.. Just as we are all our very own  ...   after the start.. I arrived in town long before he did, and had already been queuing in front of the crêpes stand for a while, when he sent me a text message telling me he wouldn’t be coming after all.. He wrote that the people there were too much for him, and that he would let me know if he were to marry a wonderful man, ha, ha, ha.. Well, I didn’t find this funny at all, and bought a crêpe with apple and sugar and cinnamon, from the baker with the dark curls.. He rolled it all together and placed it on a styrofoam rectangle, which had to be my plate.. I sat down on a concrete wall by the entrance to the garage of a famous museum, and worried.. “My birthday is certainly no occasion for celebration,” he had said.. And I had thought I’d be able to convince him that everything could be an occasion for celebration.. The next day I sent him a bunch of white roses.. I had them write on the card: “He who doesn’t age doesn’t live”.. White roses, I thought (I hoped), would please him: they would remind him of the beauty of meaninglessness.. “The meaninglessness of beauty,” would be his answer, were I to pronounce my words to his face.. I was sure of this.. Sometimes I felt I knew him better than he did himself.. That was complete nonsense, and I knew it too.. What I would advise him to do would be to go tell the water his troubles.. For want of a rustling brook, with rock-skipping frolicking waters, he could deliver his mother to the drips of a tap, before she disappeared down the drain.. I’d suggest that he bend over the sink in the bathroom and place his mouth right next to the water flow – so close that he could almost drink from it – and then gently, harmonizing with the water, whisper what weighed in his heart.. It would certainly help.. He would just have to do it regularly, or also irregularly; in any event, he could always abandon himself to the water.. He wrote to me a few days later.. He was absolutely delighted with the roses; they made him feel like a film star.. I was also delighted.. Later he sent another letter.. He thought that the problem begins when we realize that there is more to life.. Then we get down to looking for this “more”, and by the time we finally find it, we have lost the ability of actually.. experiencing.. it.. There must be a magic balance between this desire for the ultimate and the disappointment at never really being able to reach it.. Those innumerable unfulfilled expectations, lurking in every corner, have to be compensated by any attained “more”, which most fail to see, since they sleep with their eyes wide open and thus don’t see the nightly demons, for instance, which steal upon him, nor the enchanting dreams, which more than make up for the dragons of darkness.. He wrote at length and profusely.. His words were clear and simple; and everything he wrote was right.. He sent me blue roses for my birthday.. I didn’t even know such flowers existed.. He hasn’t married yet.. Not a man, nor a woman.. (Translated by Jim Adams)..

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